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Markt & Trends

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Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Marcus ist Mitgründer von MotoBuy und leidenschaftlicher Motorrad-Enthusiast. Er schreibt über Markttrends, Kaufentscheidungen und die Zukunft des deutschen Motorradmarkts.

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Motorrad-Neuzulassungen im Juli: 23.534 Krafträder — und warum das kein Rekord ist

KBA-Zahlen Juli: 23.534 Krafträder (+10,9 %), Januar bis Juli 139.652 (+24,4 %). Was hinter dem Plus steckt und was es für Käufer und Verkäufer bedeutet.

8. August 20268 Min. Lesezeit
Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Motorradmarkt Deutschland: Juli-Zulassungen legen um 10,9 % zu
KI-generiert

Im Juli wurden in Deutschland 23.534 Krafträder neu zugelassen — 10,9 Prozent mehr als im Juli des Vorjahres. Kumuliert steht der Markt nach sieben Monaten bei 139.652 Neuzulassungen, ein Plus von 24,4 Prozent. Das klingt nach einem Boom, ist aber vor allem eine Erholung: Der Vergleichswert von 2025 war durch die Euro-5+-Umstellung künstlich eingebrochen. Gegenüber 2023 liegt der Markt weiterhin rund 13 Prozent zurück. Und der eigentlich interessante Wert ist nicht das Plus, sondern seine Richtung — die Zuwachsrate schrumpft seit Januar Monat für Monat. (Stand: 8. August 2026)

Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus den offiziellen Pressemitteilungen des Kraftfahrt-Bundesamts, zuletzt der Mitteilung 32/2026 vom 6. August 2026. Wo Einordnungen nicht vom Amt stammen, ist das ausdrücklich gekennzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

  • Wie viele Motorräder wurden im Juli neu zugelassen?
  • Ist 2026 ein Rekordjahr für den Motorradmarkt?
  • Warum wachsen die Zulassungen so stark?
  • Verliert der Aufschwung an Kraft?
  • Ist der Juli ein starker Zulassungsmonat?
  • Welche Marken und Modelle verkaufen sich am besten?
  • Krafträder oder Motorräder — welche Zahl stimmt denn nun?
  • Was bedeutet das für Käufer?
  • Was bedeutet das für Verkäufer?
  • Fazit
  • Häufige Fragen

Wie viele Motorräder wurden im Juli neu zugelassen?

23.534 Krafträder, ein Plus von 10,9 Prozent gegenüber Juli 2025 (21.216). Damit setzt sich das Wachstum des Jahres fort — es ist der siebte Monat in Folge mit einem Zuwachs.

ZeitraumKrafträderVeränderung z. Vorjahr
Juli 202623.534+10,9 %
Januar–Juli 2026139.652+24,4 %
Januar–Juli 2025112.286−25,5 %

Zum Einordnen der Größenordnung: Krafträder sind im Juli die einzige nennenswert wachsende Fahrzeugklasse. Pkw kamen im selben Monat auf 268.068 Neuzulassungen (+1,2 Prozent), alle Kraftfahrzeuge zusammen auf 325.682 (+1,1 Prozent). Lkw gingen um 8,0 Prozent zurück.

Ist 2026 ein Rekordjahr für den Motorradmarkt?

Nein — und das ist die wichtigste Einschränkung zu allen zweistelligen Zuwachsraten dieses Jahres. Der Vergleich mit unverzerrten Vorjahren zeigt, wo der Markt tatsächlich steht:

Januar–JuliKrafträder
2023160.019
2025112.286
2026139.652

Nach sieben Monaten liegt 2026 damit rund 12,7 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2023. Auch das Gesamtjahr 2023 (222.046) und 2024 (251.169) lagen deutlich höher. Wer die aktuellen Zahlen als Rekord liest, vergleicht mit dem falschen Jahr.

Die korrekte Beschreibung lautet: Der Markt erholt sich von einem selbst verursachten Einbruch und nähert sich wieder dem Normalniveau. Ein grober Jahresausblick lässt sich aus sieben Monaten zwar rechnen, wäre aber eine Hochrechnung und keine belegte Zahl — deshalb verzichten wir hier darauf.

Warum wachsen die Zulassungen so stark?

Der Grund ist ein Basiseffekt, und er lässt sich an zwei Dezember-Zahlen ablesen:

  • Dezember 2024: 31.677 Krafträder, +669,4 Prozent gegenüber Dezember 2023
  • Dezember 2025: 4.505 Krafträder, −85,8 Prozent

Seit dem 1. Januar 2025 dürfen nur noch Euro-5+-konforme Krafträder neu zugelassen werden. Hersteller und Händler haben ihre Euro-5-Lagerbestände deshalb Ende 2024 in Tageszulassungen geschoben. Das blähte 2024 auf einen Rekordwert von 251.169 auf und riss 2025 ein entsprechendes Loch (162.009, −35,5 Prozent). Gegen dieses Loch rechnen sämtliche Zuwachsraten des Jahres 2026.

Wichtig für die Einordnung: Das KBA selbst liefert in seinen Pressemitteilungen keine Begründung, sondern nur die Zahlen. Die Erklärung über den Euro-5+-Vorzieheffekt ist eine Interpretation der Fachpresse — sie ist plausibel und wird breit geteilt, ist aber keine amtliche Aussage. Die Hintergründe zur Norm haben wir im Beitrag zu den neuen Gesetzen für Motorradfahrer aufgeschlüsselt.

Verliert der Aufschwung an Kraft?

Ja — und das ist die eigentliche Nachricht des Monats. Der Blick auf den Monatsverlauf zeigt eine klare Tendenz:

Monat 2026KrafträderVeränderung z. Vorjahr
Januar5.650+67,9 %
Februar11.763+31,4 %
März28.697+45,5 %
April25.342+17,2 %
Mai20.782+7,3 %
Juni23.884+32,4 %
Juli23.534+10,9 %

Die Zuwachsraten fallen von 67,9 Prozent im Januar auf 10,9 Prozent im Juli. Das ist kein Einbruch, sondern das erwartbare Auslaufen des Basiseffekts: Je weiter das Jahr fortschreitet, desto normaler wird der Vergleichsmonat des Vorjahres. Die absoluten Zahlen bleiben stabil — Juni und Juli liegen mit 23.884 und 23.534 praktisch gleichauf.

Wer die Entwicklung des ersten Halbjahrs im Zusammenhang nachlesen möchte, findet sie in unserer Halbjahresbilanz zum Motorradmarkt.

Ist der Juli ein starker Zulassungsmonat?

Solide, aber nicht der Höhepunkt des Jahres. Im unverzerrten Referenzjahr 2023 verteilten sich die Zulassungen so, dass der März mit 14,8 Prozent des Jahresvolumens der stärkste Monat war, gefolgt von Juni (12,7 Prozent), Mai (11,3 Prozent) sowie Juli und April (je 10,9 Prozent). Von August an fällt die Kurve stetig bis auf 1,9 Prozent im Dezember.

Der Juli liegt damit im sommerlichen Hochplateau, aber auf Rang fünf. Bemerkenswert ist allerdings sein Gewicht in diesem Jahr: Der Juli 2026 macht 16,9 Prozent der bisherigen Jahreszulassungen aus, 2023 waren es im selben Fenster nur 15,1 Prozent. Relativ betrachtet war dieser Juli also stärker als saisonüblich.

Welche Marken und Modelle verkaufen sich am besten?

Hier muss man ehrlich sein: Für Juli gibt es keine Markenzahlen und keine Modell-Rangliste. Das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht Kraftrad-Zulassungen nach Marken ausschließlich in der Jahrestabelle FZ 18 — die nächste Aktualisierung ist erst 2027 zu erwarten. Die monatlich erscheinenden Markentabellen FZ 10 und FZ 11 betreffen ausschließlich Pkw. Was an Monats-Markendaten in der Fachpresse auftaucht, stammt aus kostenpflichtigen Individualauswertungen.

Der jüngste belastbare Modellstand ist deshalb die kumulierte Auswertung für Januar bis Juni — nicht Juli:

#ModellZulassungen Januar–Juni
1BMW R 1300 GS4.183
2Kawasaki Z 9002.836
3Honda CBR650R1.576
4Kawasaki Z 6501.367
5Yamaha MT-071.175

Sekundärquelle auf KBA-Basis, Stand Halbjahr. Diese Zahlen sind Kumulativwerte für Januar bis Juni und ausdrücklich keine Julizahlen.

Eine Warnung dazu, weil die Verwechslung derzeit durch mehrere Portale geistert: Eine verbreitete Übersicht trägt die Überschrift „Stand 07/26", nennt im Text aber ausdrücklich den Stand „zur Jahresmitte". Es sind Halbjahreszahlen. Wer sie als Julizahlen zitiert, liegt daneben.

Dass die BMW R 1300 GS die Gesamtwertung anführt, die Kawasaki Z 900 bei den reinen Privatzulassungen aber vorbeigezogen ist, haben wir separat aufgeschlüsselt: Z 900 schlägt R 1300 GS bei Privatkäufern.

Krafträder oder Motorräder — welche Zahl stimmt denn nun?

Beide, sie messen nur Unterschiedliches. Das ist die häufigste Verwechslung bei Zulassungsstatistiken:

  • Krafträder ist die weite KBA-Klasse. Sie umfasst Motorräder, Leichtkrafträder und Kraftroller. Das ist die Zahl 23.534 für Juli.
  • Motorräder meint in der Fachpresse meist nur die Klasse über 125 Kubik — eine Teilmenge, entsprechend kleiner.

Wenn also für denselben Zeitraum zwei verschiedene Zahlen kursieren, ist selten eine davon falsch — meist wird schlicht Unterschiedliches gezählt. Wer sich für die kleineren Klassen interessiert, findet die Einordnung im Ratgeber zu 125ern und der Führerscheinklasse B196.

Was bedeutet das für Käufer?

Ein wachsender Neufahrzeugmarkt wirkt mit Verzögerung auf den Gebrauchtmarkt: Was heute neu zugelassen wird, taucht in ein bis drei Jahren als junger Gebrauchter wieder auf. Nach zwei Jahren mit stark schwankenden Zulassungszahlen heißt das konkret, dass die Jahrgänge unterschiedlich dicht besetzt sein werden — 2024er-Modelle sind reichlich vorhanden, 2025er deutlich knapper.

Für die Preisfindung ist das relevant: Knappe Jahrgänge halten ihren Wert tendenziell besser. Welche Modelle unabhängig davon wertstabil bleiben, zeigt unsere Übersicht zu wertstabilen Motorrädern. Wer aktuell sucht, findet die Angebote im Motorrad-Marktplatz — die stärksten Segmente bleiben Naked Bikes und Reiseenduros.

Was bedeutet das für Verkäufer?

Das relevante Signal ist nicht das Plus, sondern seine abnehmende Größe. Solange der Neumarkt wächst, wächst mittelfristig auch das Angebot an jungen Gebrauchten — und damit der Wettbewerb um Käufer. Zusätzlich läuft die Saison: Von August an fallen die Zulassungszahlen erfahrungsgemäß bis zum Jahresende deutlich ab.

Praktisch heißt das: Wer dieses Jahr noch verkaufen will, verkauft besser jetzt als im Oktober. Wie sich Händler- und Privatverkauf preislich unterscheiden, rechnen wir im Marktvergleich durch; die Schritte für den Privatverkauf stehen im Ratgeber Motorrad privat verkaufen. Wer den saisonalen Aspekt vertiefen will, findet ihn im Beitrag Motorrad im Winter verkaufen.

Fazit

Der Juli bringt 23.534 neu zugelassene Krafträder und ein Plus von 10,9 Prozent — der siebte Wachstumsmonat in Folge. Über sieben Monate summiert sich das auf 139.652 Neuzulassungen und 24,4 Prozent Zuwachs. Beide Werte sind echt, messen aber gegen ein durch die Euro-5+-Umstellung künstlich gedrücktes Vorjahr. Gegenüber 2023 fehlen dem Markt weiterhin rund 13 Prozent.

Wer eine Zahl mitnehmen will, sollte es nicht das Plus sein, sondern seine Richtung: von 67,9 Prozent im Januar auf 10,9 Prozent im Juli. Der Basiseffekt läuft aus, und was danach bleibt, ist ein Markt auf solidem, aber nicht rekordverdächtigem Niveau.

Häufige Fragen

Wie viele Motorräder wurden im Juli in Deutschland neu zugelassen? 23.534 Krafträder — ein Plus von 10,9 Prozent gegenüber Juli 2025 (21.216). Kumuliert über Januar bis Juli sind es 139.652 Krafträder, 24,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (112.286).

Ist 2026 ein Rekordjahr für den Motorradmarkt? Nein. Nach sieben Monaten liegt der Markt mit 139.652 Krafträdern rund 13 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2023 (160.019) und ebenfalls unter 2024. Es ist eine Erholung auf Normalniveau, kein Rekord.

Warum steigen die Zulassungszahlen 2026 so stark? Überwiegend wegen eines Basiseffekts. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen nur noch Euro-5+-konforme Krafträder neu zugelassen werden. Ende 2024 wurden deshalb massenhaft Altbestände zugelassen — allein im Dezember 2024 waren es 31.677 Krafträder (+669,4 Prozent). Entsprechend brach 2025 ein. Gegen dieses Loch rechnet 2026.

Welches Motorrad ist 2026 das meistverkaufte in Deutschland? Nach der jüngsten verfügbaren Auswertung die BMW R 1300 GS mit 4.183 Zulassungen, vor der Kawasaki Z 900 (2.836) und der Honda CBR650R (1.576). Das sind kumulierte Zahlen für Januar bis Juni — eine Modell-Rangliste für Juli existiert nicht.

Warum gibt es keine Markenzahlen für Juli? Das KBA veröffentlicht Kraftrad-Zulassungen nach Marken nur in der Jahrestabelle FZ 18, nicht monatlich. Die monatlichen Tabellen FZ 10 und FZ 11 betreffen ausschließlich Pkw.

Was ist der Unterschied zwischen Krafträdern und Motorrädern in der Statistik? Krafträder ist der weitere Begriff und umfasst auch Leichtkrafträder und Kraftroller. Motorräder meint in der Fachpresse oft nur die Klasse über 125 Kubik. Deshalb kursieren für denselben Zeitraum unterschiedliche Zahlen.

Was bedeuten die Zahlen für mich als Käufer oder Verkäufer? Käufer profitieren mittelfristig von mehr jungen Gebrauchten. Für Verkäufer zählt das schrumpfende Wachstum: Die Rate fiel von 67,9 Prozent im Januar auf 10,9 Prozent im Juli — die laufende Saison nutzen, statt auf steigende Preise zu warten.


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