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Markt & Trends

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Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Marcus ist Mitgründer von MotoBuy und leidenschaftlicher Motorrad-Enthusiast. Er schreibt über Markttrends, Kaufentscheidungen und die Zukunft des deutschen Motorradmarkts.

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Wie steht KTM nach der Übernahme durch Bajaj wirklich da?

KTM ist verkauft, umbenannt und refinanziert – Q1 2026 bringt erstmals wieder positives EBITDA. Was der Bajaj-Turnaround für Käufer, Garantie und Restwert heißt.

10. Juli 20269 Min. Lesezeit
Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

KTM nach der Bajaj-Übernahme: Turnaround, Zahlen & Ausblick

KTM gehört seit November 2025 mehrheitlich dem indischen Hersteller Bajaj (74,9 %) und firmiert seit Januar 2026 als „Bajaj Mobility AG" – und die Marke stabilisiert sich sichtbar: Im ersten Quartal 2026 schrieb das Motorradgeschäft erstmals seit der Krise wieder ein positives operatives Ergebnis (EBITDA). Unterm Strich stehen zwar noch rote Zahlen, aber die Produktion läuft, die Garantie gilt, Ersatzteile kommen – und die MotoGP bleibt. Dieser Artikel ordnet ein, was wirklich passiert ist, wie die Zahlen zu lesen sind und was das für dich bedeutet, wenn du eine KTM kaufen oder verkaufen willst. (Stand: Juli 2026)

Was ist bei KTM passiert – von der Insolvenz zur Bajaj-Übernahme?

KTM ist von einem Rekord direkt in die Krise gerutscht. Nach dem Corona-Boom brachen die Nachfrage weg und die Lager quollen über. Ende November 2024 beantragte die KTM AG (samt zweier Töchter) in Österreich ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung – umgangssprachlich oft „Insolvenz" genannt, tatsächlich aber ein geordnetes Sanierungsverfahren, kein Ausverkauf.

Die wichtigsten Stationen in Kürze:

  • November 2024: Antrag auf Sanierungsverfahren; kurz darauf Produktionsstopp und Kurzarbeit in Mattighofen.
  • Februar 2025: Die Gläubiger nehmen den Sanierungsplan an – Barquote von 30 % der anerkannten Forderungen.
  • Mai 2025: Die 30-%-Quote wird gezahlt, der Sanierungsplan damit erfüllt.
  • Juli 2025: Voller Produktions-Hochlauf – alle Linien in Mattighofen und Munderfing laufen wieder, zurück zur Fünf-Tage-Woche.
  • November 2025: Bajaj zieht die Call-Option und übernimmt 74,9 % der Anteile.
  • Januar 2026: Umbenennung in Bajaj Mobility AG, Sitzverlegung nach Mattighofen.

Zur Einordnung der Schuldenlast: Die KTM AG allein kam auf rund 1,8 Milliarden Euro Verbindlichkeiten, über alle drei betroffenen Gesellschaften hinweg war je nach Schätzung von bis zu 2,9 Milliarden Euro die Rede. Das war kein kleiner Wackler, sondern die größte Sanierung der jüngeren Motorrad-Geschichte in Europa.

Gehört KTM jetzt Bajaj? Was „Bajaj Mobility AG" bedeutet

Ja – Bajaj ist die kontrollierende Mehrheitseigentümerin. Neu ist die Rolle nicht: Der indische Konzern war schon seit 2007 an KTM beteiligt und ist einer der größten Zweiradhersteller der Welt. Aus dem langjährigen Partner ist nun der Eigentümer geworden.

Konkret heißt das:

  • Die frühere Pierer Mobility AG heißt seit dem 13. Januar 2026 Bajaj Mobility AG und sitzt in Mattighofen.
  • Stefan Pierer hat sich aus der Führung zurückgezogen; sein Name verschwindet mit der Umfirmierung aus der Konzernstruktur.
  • Bajaj hat ein Rettungspaket von rund 800 Millionen Euro geschnürt (darunter ein Darlehen über 450 Millionen Euro, das unter anderem die Gläubigerquote finanzierte).
  • Im Februar 2026 folgte die Refinanzierung: ein neuer, unbesicherter Konsortialkredit über 550 Millionen Euro löste den teureren Restrukturierungskredit ab – ein starkes Vertrauenssignal der Banken.

Wichtig für dich: KTM bleibt operativ eine eigenständige Marke. Produktion, Entwicklung und Modellpolitik laufen weiter aus Österreich – nur mit einem finanzstarken Eigentümer im Rücken.

Wie stehen die aktuellen Zahlen – ist der Turnaround echt?

Der Turnaround ist real, aber man muss ihn richtig lesen. Die Kennzahlen aus dem Zwischenbericht für das erste Quartal 2026:

  • Motorradabsatz: 40.332 Einheiten (KTM, Husqvarna, GASGAS) – nach 17.915 im Vorjahresquartal.
  • Motorrad-Umsatz: 272,4 Mio. € (Vorjahr: 108,3 Mio. €).
  • EBITDA: +5,5 Mio. € – erstmals seit der Krise wieder positiv (Vorjahr: −55,8 Mio. €).
  • Nettoergebnis: −35,1 Mio. € – deutlich verbessert gegenüber −108,1 Mio. € im Vorjahr, aber weiter negativ.
  • Eigenkapitalquote: 22,2 %.

Der ehrliche Vorbehalt: Das Vorjahresquartal (Q1 2025) war der absolute Tiefpunkt – damals stand die Produktion phasenweise still. Ein Plus von 125 % beim Absatz sieht deshalb spektakulärer aus, als es organisch ist; ein guter Teil ist schlicht Basiseffekt. Das Unternehmen selbst und die Fachpresse betonen das. Die belastbare Botschaft lautet also nicht „KTM boomt wieder", sondern: Die Talsohle ist durchschritten, das operative Geschäft trägt wieder – aber der Weg zurück in die schwarzen Zahlen ist noch nicht zu Ende. Der nächste Gradmesser ist der Halbjahresbericht am 27. August 2026.

Wie sich der Gesamtmarkt entwickelt, in dem sich KTM zurückkämpfen muss, zeigt unsere Halbjahresbilanz zum Motorradmarkt.

Wie geht es KTM in Deutschland?

Hier ist die Erholung noch nicht angekommen. Die KTM-Neuzulassungen in Deutschland sind 2025 regelrecht eingebrochen – im November 2025 lag das Minus bei rund 79 % gegenüber dem Vorjahr, über weite Strecken des Jahres verlor die Marke etwa drei Viertel ihres Volumens. Während der Krise wurde bewusst wenig ausgeliefert, um die vollen Lager abzubauen.

Zum Vergleich: Im Segment über 125 cm³ ist BMW Motorrad mit gut 21 % Marktanteil klarer Marktführer in Deutschland – KTM lag zuletzt weit dahinter. Der Gesamtmarkt zieht 2026 zwar spürbar an, aber dieses Plus ist Marktbreite und Basiseffekt, noch kein KTM-spezifisches Comeback. Für den deutschen Markt gilt also: Die Firma ist stabilisiert, der Vertrieb muss das Volumen aber erst zurückerobern.

Welche KTM-Modelle kommen – und was ist mit Husqvarna und GASGAS?

KTM ist klar der Fokus des neuen Eigentümers, das Modellprogramm läuft weiter. Einige Neuheiten wurden durch die Krise um rund ein Jahr nach hinten geschoben, kommen aber:

  • Die überarbeitete 1390 Super Adventure als Touren-Flaggschiff (u. a. mit Automatikgetriebe-Option und Radar-Tempomat).
  • Die neu aufgelegte 690 SMC R (Supermoto) sowie die 990 Duke R im Naked-Bike-Segment.
  • Für den A2-Einstieg bleibt die 390 Adventure die zentrale Reiseenduro; im Enduro/Offroad-Bereich die straßenzugelassene 300 EXC und die 890 Adventure als Mittelklasse-Allrounder.

Bei den Schwestermarken ist Bajaj vorsichtiger: Husqvarna und GASGAS bekommen vorerst kaum Neuentwicklungen – hier wird erst die künftige Positionierung geklärt. Die MotoGP dagegen ist gesichert: KTM hat im Juni 2026 einen neuen Fünfjahresvertrag bis 2031 unterschrieben. Einen ausführlichen Fahreindruck zu einem der aktuellen Modelle liefert unser Fahrtest der KTM 790 Duke.

Was bedeutet das für mich als Käufer?

In den drei Punkten, die beim Kauf wirklich zählen, gibt es Entwarnung:

  • Garantie: KTM hat die 4-Jahres-Garantie für straßenzugelassene Modelle nicht etwa gekürzt, sondern seit Modelljahr 2025 ausgeweitet. Sie überträgt sich beim Gebrauchtkauf automatisch, solange die Serviceintervalle beim autorisierten Händler eingehalten werden.
  • Ersatzteile & Service: Die Versorgung ist aktuell gesichert, Händlernetz und Werkstätten arbeiten normal.
  • Restwert: Ein pauschaler Wertverfall ist nicht erkennbar. Gefragte, gepflegte Modelle (390 Duke, 790/890 Adventure, 1290 Super Duke, die EXC-Enduros) bleiben wertstabil; unter Druck stehen eher die Überbestände der Boom-Baujahre 2022/2023 in Durchschnittszustand. Welche Maschinen ihren Wert halten, zeigt unser Überblick zu wertstabilen Motorrädern.

Der eigentliche Vorbehalt liegt woanders: Wer ganz neue Technik (neue Motoren, neues Automatikgetriebe) kauft, sollte wissen, dass sich deren Langzeitqualität erst noch beweisen muss – das ist aber ein normales Neuheiten-Risiko und keine Folge der Firmenlage.

Solltest du jetzt eine KTM kaufen oder abwarten?

Für gepflegte, gefragte Modelle gibt es keinen Grund zu warten – die Firmenlage ist kein Kaufhindernis mehr. Achte auf ein lückenloses Serviceheft (es sichert Garantie und Wiederverkaufswert), kaufe im Zweifel beim verifizierten Händler, und nutze die Überbestände der Boom-Jahre als Verhandlungsmasse. Wer maximale Sicherheit will, greift zu bewährten Baujahren statt zur allerneuesten Technik.

Eine vollständige Kaufberatung mit Checkliste – Garantie, Händlergarantie, worauf beim Gebrauchtkauf zu achten ist – findest du im ausführlichen Ratgeber KTM kaufen nach der Insolvenz.

Fazit

KTM ist nicht verschwunden, sondern neu aufgestellt: mehrheitlich bei Bajaj, umbenannt, refinanziert, mit voll laufender Produktion und einem erstmals wieder positiven EBITDA im ersten Quartal 2026. Netto stehen noch rote Zahlen, und der deutsche Vertrieb muss sein Volumen erst zurückgewinnen – aber die Substanz stimmt wieder. Für Käufer sind Garantie, Ersatzteile und Restwert intakt; der Hauptvorbehalt ist die Langzeitqualität ganz neuer Technik, nicht die Marke selbst.

Häufige Fragen

Wem gehört KTM 2026? KTM gehört mehrheitlich dem indischen Hersteller Bajaj. Über die Bajaj-Gruppe werden 74,9 Prozent gehalten; die frühere Pierer Mobility AG heißt seit dem 13. Januar 2026 offiziell „Bajaj Mobility AG" und hat ihren Sitz nach Mattighofen verlegt. KTM selbst bleibt eine eigenständige Marke, die weiter in Österreich produziert wird.

Ist KTM gerettet oder noch insolvent? Das Sanierungsverfahren ist abgeschlossen. KTM hat die vereinbarte Gläubigerquote von 30 Prozent im Mai 2025 gezahlt, die Produktion in Mattighofen läuft seit Sommer 2025 wieder voll, und Anfang 2026 wurde der Restrukturierungskredit durch einen neuen Konsortialkredit über 550 Millionen Euro abgelöst. KTM ist damit nicht mehr insolvent, sondern in der Erholungsphase.

Macht KTM wieder Gewinn? Noch nicht unterm Strich. Im ersten Quartal 2026 war das EBITDA mit rund 5,5 Millionen Euro erstmals seit der Krise wieder positiv, und der Nettoverlust schrumpfte von 108 auf 35 Millionen Euro. Ein Gewinn ist das noch nicht – aber ein klarer Turnaround gegenüber dem Krisen-Tiefpunkt. Wichtig: Q1 2025 war eine Ausnahmesituation, der prozentuale Sprung wirkt dadurch größer, als das organische Wachstum tatsächlich ist.

Bleibt KTM in der MotoGP? Ja. KTM hat im Juni 2026 eine neue Fünfjahres-Verpflichtung für die MotoGP von 2027 bis 2031 unterschrieben. Bajaj hat einen möglichen Verkauf des Werksteams ausdrücklich vom Tisch genommen und Investorenangebote abgelehnt – das Rennprogramm läuft eigenständig weiter.

Wird KTM weiter in Österreich gebaut? Ja. Die Produktion bleibt in Mattighofen und Munderfing in Österreich. Seit Ende Juli 2025 laufen wieder alle Fertigungslinien im Vollbetrieb. Der Firmensitz der Holding wurde 2026 sogar nach Mattighofen verlegt.

Kann ich jetzt noch bedenkenlos eine KTM kaufen? In den entscheidenden Punkten ja: Die 4-Jahres-Garantie gilt und überträgt sich beim Gebrauchtkauf, Ersatzteile und Service sind gesichert, und ein pauschaler Wertverlust ist nicht erkennbar – gepflegte, gefragte Modelle bleiben stabil. Der größte Vorbehalt ist nicht die Firmenlage, sondern die noch unbewiesene Langzeitqualität ganz neuer Technik. Eine ausführliche Kaufberatung mit Checkliste findest du im Ratgeber KTM kaufen nach der Insolvenz.


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