Honda Kumamoto: Produktion läuft wieder – was das für Lieferzeiten bedeutet
Hondas japanisches Motorradwerk Kumamoto stand nach dem Erdbeben vom 28. Juli rund vier Wochen still. Seit dem 24. August laufen wieder Fertigfahrzeuge vom Band. Was gesichert ist, was nicht – und was deutsche Käufer daraus mitnehmen sollten.
Marcus Hofer
Gründer & Motorrad-Experte
Hondas Motorradwerk Kumamoto baut seit Montag, dem 24. August 2026, wieder Fertigfahrzeuge. Nach dem Erdbeben vom 28. Juli hatte Honda die Produktion gestoppt und ab dem 5. August schrittweise einzelne Fertigungsschritte wieder hochgefahren. Die Unterbrechung dauerte damit rund vier Wochen. Honda selbst nennt keine betroffenen Modelle und hat für Europa keine Lieferverzögerungen gemeldet – Anlass, einen geplanten Kauf zu verschieben, gibt es nicht. (Stand: 27. August 2026)
Was ist in Kumamoto passiert?
Am 28. Juli 2026 gegen 16:27 Uhr Ortszeit erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,8 die Präfektur Kumamoto im Süden Japans. Es forderte 39 Todesopfer.
In der Gemeinde Ōzu im Landkreis Kikuchi, rund 20 Kilometer nordöstlich der Stadt Kumamoto, steht Hondas Werk Kumamoto. Honda beschreibt es auf der eigenen Statusseite als den Standort, an dem der Konzern Motorräder und Power Products – also motorisierte Geräte wie Rasenmäher, Generatoren und Außenbordmotoren – fertigt.
Honda stoppte die Produktion nach dem Beben, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten und die Anlagen zu prüfen. Der Wiederanlauf verlief in zwei Stufen:
- ab 5. August 2026: schrittweise Wiederaufnahme einzelner Fertigungsschritte, sobald deren Instandsetzung absehbar war
- ab Montag, 24. August 2026: Wiederaufnahme der Fertigfahrzeug-Produktion, also der Endmontage kompletter Motorräder
Vom Beben bis zum vollen Wiederanlauf vergingen damit rund vier Wochen.
Warum liefen die Autowerke vier Tage früher wieder an?
Ein Detail aus derselben Mitteilung ordnet den Vorgang gut ein. Honda nennt dort auch drei Vierrad-Werke – Saitama, Suzuka und Honda Auto Body in Yokkaichi. Die standen ebenfalls still, aber aus einem anderen Grund: nicht wegen eigener Schäden, sondern wegen fehlender Teile. Sie pausierten erst ab dem 5. beziehungsweise 6. August und nahmen die Produktion am 20. August wieder auf, sobald die Teileversorgung gesichert war.
Das Motorradwerk war also direkt betroffen und brauchte vier Tage länger als die Autowerke, die nur mittelbar unter dem Beben litten. Für die Einordnung heißt das: In Kumamoto wurde repariert, nicht nur auf Lieferungen gewartet.
Welche Modelle waren betroffen?
Hier ist Vorsicht angebracht, und zwar mehr, als der Nachrichtenlage auf den ersten Blick anzusehen ist.
Honda selbst nennt kein einziges Modell. Die Mitteilung spricht ausschließlich von „Motorrädern und Power Products". In der internationalen Berichterstattung kursieren seither Modelllisten – die sich allerdings widersprechen und teils schlicht veraltet sind. In einer davon stehen Modelle, die längst nicht mehr im Programm sind. Solche Listen entstehen, wenn ältere Recherchen zu diesem Werk ungeprüft weitergereicht werden.
Für Käufer ist die praktische Konsequenz einfach: Wer wissen will, ob das eigene bestellte Fahrzeug betroffen ist, fragt den Händler – und nicht eine Modellliste im Netz. Der Händler sieht den konkreten Auftragsstatus, eine kursierende Liste sieht ihn nicht.
Muss ich in Deutschland mit längeren Lieferzeiten rechnen?
Nach aktuellem Stand nicht. Und die Informationslage dazu ist bemerkenswert dünn – was ausnahmsweise eine gute Nachricht ist.
Honda hat in Europa dazu nichts kommuniziert. Es gibt keine europäische Pressemitteilung und keine englische Fassung der japanischen Statusseite. Auch die deutsche Honda-Seite meldet nichts. Ein Hersteller, der mit spürbaren Lieferengpässen rechnet, informiert den Handel und die Kundschaft in aller Regel – dass das ausgeblieben ist, spricht dafür, dass Honda die Sache für beherrschbar hält.
Aus Japan gibt es eine Einschätzung, die allerdings sauber eingeordnet gehört: Ein Honda-Vertragshändler in Tokio sagte Ende August, vom Hersteller lägen keine Meldungen über Verzögerungen bei bestimmten Modellen vor. Fahrzeuge, deren Zulauf vor dem Beben terminiert war, kämen planmäßig an; solche, die die Fertigung bereits verlassen haben, würden zum zugesagten Termin übergeben. Bei Neubestellungen von Modellen aus Kumamoto könne es dagegen rund einen Monat länger dauern als üblich.
Das ist die Aussage eines einzelnen Händlers zum japanischen Markt, nicht eine Angabe von Honda und nicht eine Aussage über Deutschland. Als grobe Größenordnung taugt sie – als Zusage nicht.
Was heißt das konkret für einen geplanten Kauf?
Kaufen wie geplant. Die Produktion läuft, es gibt keine gemeldeten Engpässe für den deutschen Markt, und eine vierwöchige Unterbrechung in einem von mehreren Werken weltweit schlägt selten sichtbar auf die Verfügbarkeit in Europa durch.
Zwei Dinge lohnen sich trotzdem:
Bei Neubestellung den Liefertermin schriftlich festhalten. Das ist ohnehin guter Standard beim Neukauf und kostet nichts. Ein zugesagtes Datum im Kaufvertrag ist etwas anderes als eine mündliche Einschätzung.
Bei Lagerfahrzeugen entspannt bleiben. Was beim Händler steht, ist von einem Produktionsstopp per Definition nicht betroffen. Wer schnell fahren will, findet in den aktuellen Angeboten ohnehin den kürzeren Weg – und parallel laufen bei Honda mehrere Kaufaktionen, von denen zwei am 31. August enden.
Warum ist die Meldung trotzdem relevant?
Weil sie ein Muster zeigt, das beim Motorradkauf immer wieder auftaucht: Zwischen einem Ereignis und der Verfügbarkeit im Handel liegen Monate und mehrere Zwischenschritte. Ein Werk, das im August vier Wochen stillsteht, wirkt sich – wenn überhaupt – erst im Spätherbst auf europäische Auslieferungen aus, und dann verteilt auf viele Modelle statt konzentriert auf eines.
Und sie zeigt, wie schnell aus einer nüchternen Statusmeldung eine dramatische Nachricht wird. Honda hat eine Informationsseite aktualisiert. Daraus wurde in der Berichterstattung teils eine „Pressemitteilung", teils eine Liste betroffener Modelle, die das Unternehmen nie genannt hat. Wer eine Kaufentscheidung darauf stützt, stützt sie auf Interpretationen.
Wir aktualisieren diesen Beitrag, falls Honda Deutschland oder Honda Europa doch noch Angaben zu Lieferzeiten macht.
Häufige Fragen zur Honda-Produktion in Kumamoto
Produziert Honda in Kumamoto wieder Motorräder? Ja. Honda hat am 20. August 2026 auf einer eigenen Statusseite mitgeteilt, dass im Werk Kumamoto ab Montag, dem 24. August 2026, wieder Fertigfahrzeuge gebaut werden. Zuvor war die Produktion seit dem Erdbeben vom 28. Juli gestoppt, ab dem 5. August liefen einzelne Fertigungsschritte schrittweise wieder an.
Welche Modelle waren betroffen? Honda selbst nennt kein einziges Modell. Das Unternehmen schreibt nur, dass in Kumamoto Motorräder und Power Products gefertigt werden. In der internationalen Berichterstattung kursieren Modelllisten, die sich widersprechen und teils Modelle enthalten, die längst ausgelaufen sind. Wer ein konkretes Fahrzeug bestellt hat, fragt den Termin deshalb besser beim Händler nach, statt sich auf solche Listen zu verlassen.
Muss ich als deutscher Käufer mit längeren Lieferzeiten rechnen? Honda hat dazu in Europa nichts kommuniziert, und es gibt keine europäische Fassung der japanischen Statusseite. Ein japanischer Vertragshändler sagte Ende August, bereits terminierte Fahrzeuge kämen planmäßig, bei Neubestellungen aus Kumamoto könne es rund einen Monat länger dauern. Das ist eine Aussage zum japanischen Markt und keine Honda-Angabe – als grobe Orientierung taugt sie, als Zusage nicht.
Wie lange stand die Produktion still? Rund vier Wochen. Das Beben ereignete sich am 28. Juli 2026, die Fertigfahrzeug-Produktion lief am 24. August wieder an. Dazwischen wurden ab dem 5. August einzelne Fertigungsschritte wieder aufgenommen.
Warum liefen die Autowerke früher wieder an als das Motorradwerk? Die Vierrad-Werke Saitama, Suzuka und Honda Auto Body in Yokkaichi standen nicht wegen eigener Schäden still, sondern wegen fehlender Teile. Sie nahmen die Produktion am 20. August wieder auf, sobald die Teileversorgung gesichert war – vier Tage vor dem Motorradwerk, das direkt vom Beben betroffen war.
Sollte ich meinen Honda-Kauf jetzt verschieben? Nein, dafür gibt es keinen Anlass. Die Produktion läuft wieder, und Honda hat weder in Europa noch in Japan Lieferverzögerungen für bestimmte Modelle gemeldet. Sinnvoll ist lediglich, sich bei einer Neubestellung den zugesagten Liefertermin schriftlich geben zu lassen.
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