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Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Marcus ist Mitgründer von MotoBuy und leidenschaftlicher Motorrad-Enthusiast. Er schreibt über Markttrends, Kaufentscheidungen und die Zukunft des deutschen Motorradmarkts.

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Harley-Davidson Rückruf 16440R: Ist meine Softail betroffen?

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat einen überwachten Rückruf für Heritage Classic, Street Bob, Low Rider S und Low Rider ST veröffentlicht: 1.689 Motorräder in Deutschland, die hintere Bremsleitung kann durchscheuern. Was zu tun ist – und wie du prüfst, ob dein Bike dazugehört.

14. August 20269 Min. Lesezeit
Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Harley-Davidson Rückruf: Bremsleitung an vier Softail-Modellen
KI-generiert

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat am 11. August 2026 den Rückruf 16440R für vier Harley-Davidson-Softail-Modelle veröffentlicht: Heritage Classic, Street Bob, Low Rider S und Low Rider ST. Die hintere Bremsleitung kann am Gehäuse des Steuergeräts scheuern und undicht werden – dann fällt die Hinterradbremse aus. Betroffen sind 1.689 Motorräder in Deutschland und 34.736 weltweit, gebaut zwischen dem 25. Juni 2024 und dem 18. März 2026. Die Reparatur ist kostenfrei, ein Fahrverbot gibt es nicht. Ob dein Motorrad dazugehört, klärt nur der Vertragshändler anhand der Fahrgestellnummer – eine Online-Abfrage existiert für Deutschland nicht. (Stand: 14. August 2026)

Was ist genau passiert?

Am 11. August 2026 hat das Kraftfahrt-Bundesamt die Rückrufaktion unter der Referenznummer 16440R in seine Datenbank aufgenommen. Der Status lautet „überwacht" – das ist die schärfere von zwei Stufen und laut KBA den Fällen mit ernsten Risiken vorbehalten. Ein freiwilliger Produktrückruf unterhalb dieser Schwelle würde anders geführt.

Neu ist dabei nicht der Fehler, sondern die deutsche Zahl. Die zugrunde liegende US-Kampagne läuft seit April 2026 unter der Nummer 26V234000 und umfasst dort 16.994 Fahrzeuge. Damals hieß es in der deutschen Fachpresse ausdrücklich, es sei offen, ob auch in Europa zugelassene Maschinen betroffen sind. Diese Frage ist jetzt beantwortet: 1.689 Motorräder in Deutschland.

Was der KBA-Datensatz wörtlich sagt: „Die hintere Bremsleitung kann am Body Control Module scheuern und undicht werden. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der Bremswirkung an der Hinterradbremse führen." Als bekannte Vorfälle mit Sach- oder Personenschäden ist „keine" eingetragen.

Welche Modelle sind betroffen?

Vier Modelle der Softail-Baureihe – also die Cruiser mit versteckt gefedertem Hinterbau, die optisch wie ein Starrrahmen wirken. Alle vier teilen sich denselben schmaleren Rahmen, und genau daher kommt das Problem.

ModellUVP (Modelljahr 2026)MotorLeistungDrehmomentGewichtSitzhöhe
Street Bobab 16.600 € zzgl. NebenkostenMilwaukee-Eight 117 Classic91 PS (68 kW)156 Nm293 kg680 mm
Low Rider Sab 22.900 € zzgl. NebenkostenMilwaukee-Eight 117 High Output114 PS (85 kW)173 Nm304 kg715 mm
Low Rider STab 25.200 € zzgl. NebenkostenMilwaukee-Eight 117 High Output114 PS (85 kW)173 Nm323 kg715 mm
Heritage Classicab 28.170 €Milwaukee-Eight 117 Classic91 PS (68 kW)156 Nm326 kg690 mm

Alle vier haben denselben 1.923-cm³-V2, unterscheiden sich aber in der Ausbaustufe: Street Bob und Heritage Classic fahren die drehmomentbetonte Classic-Variante, die beiden Low Rider die stärkere High-Output-Version.

Zwei Abgrenzungen, die wichtig sind:

  • Bei der Low Rider gilt der Rückruf nur für S und ST. Das steht so ausdrücklich im KBA-Datensatz. Andere Low-Rider-Varianten sind nicht erfasst.
  • Maßgeblich ist das Produktionsdatum, nicht das Modelljahr. Der Zeitraum vom 25. Juni 2024 bis 18. März 2026 zieht sich quer durch die Modelljahre 2025 und 2026. Ein spät gebautes 2025er-Modell kann betroffen sein, ein früh gebautes nicht.

Woran erkenne ich, ob mein Motorrad betroffen ist?

Der einzige verlässliche Weg führt über den Vertragshändler mit der Fahrgestellnummer. Das ist unbefriedigend, aber es ist die Faktenlage:

  • Eine deutsche FIN-Abfrage bei Harley-Davidson existiert nicht. Wir haben die deutschen Harley-Seiten daraufhin durchgesehen – es gibt keine Rückrufsuche und keine eigene Rückruf-Anlaufstelle.
  • Die Rückrufdatenbank des KBA listet die Aktion unter 16440R, erlaubt Bürgern aber keine Eingabe der Fahrgestellnummer. Sie belegt also, dass es den Rückruf gibt – nicht, ob dein Motorrad dazugehört.
  • Die VIN-Suche der US-Behörde NHTSA funktioniert ausschließlich mit amerikanischen Fahrgestellnummern.

Achtung bei kursierenden Telefonnummern: Im KBA-Datensatz ist als Herstellerhotline +1 414 343 4056 hinterlegt – das ist die US-Zentrale in Milwaukee und für deutsche Halter der falsche Weg. Ebenfalls im Umlauf sind eine 0800-Nummer und eine Anschrift in Neu-Isenburg; beide stammen aus KBA-Datensätzen von 2008 und 2014 und sind veraltet. Die deutsche Niederlassung ist die Harley-Davidson Germany GmbH, Junghofstraße 16, 60311 Frankfurt am Main. Eine dedizierte deutsche Rückruf-Hotline haben wir nicht gefunden.

Regulär bekommst du Post: Bei einem KBA-überwachten Rückruf schreibt der Hersteller die Halter an, und zwar mit den Adressen aus dem Zentralen Fahrzeugregister des KBA. In den USA gingen die Briefe Anfang Mai 2026 raus. Für Deutschland liegt uns kein Versanddatum vor – wer nicht warten will, ruft den Händler an.

Was ist das Body Control Module – und was scheuert da?

Das Body Control Module (BCM) ist das zentrale Steuergerät der Bordelektrik. Vereinfacht gesagt der Verteiler, über den Licht, Blinker, Hupe und Diebstahlsicherung laufen. Bei den betroffenen Softails sitzt es neben der Batterie.

Das Problem ist reine Geometrie: Auf dem schmaleren Rahmen dieser vier Modelle verläuft die Leitung zur Hinterradbremse so dicht am Gehäuse, dass sich beide Teile im Fahrbetrieb berühren. Vibrationen tun den Rest. Reibt die Leitung lange genug, entsteht ein Loch, Bremsflüssigkeit tritt aus – und die Hinterradbremse verliert ihren Druck.

Das ist kein Materialfehler an der Leitung selbst, sondern ein Konstruktionsdetail. Entsprechend sieht die Abhilfe aus.

Was macht die Werkstatt – und was kostet es?

Die US-Unterlagen beschreiben die Maßnahme präzise: Harley tauscht den „BCM caddy" – also die Halterung des Steuergeräts – samt zugehöriger Kleinteile gegen eine neu konstruierte Version, die genug Abstand zur Leitung schafft. Zusätzlich wird die hintere Bremsleitung geprüft und, falls beschädigt, mitsamt der zugehörigen Teile ersetzt.

Der KBA-Text sagt dasselbe knapper: „Austausch der Halterung des Body Control Moduls und ggf. der Bremsleitung nach deren Kontrolle."

Für dich kostenfrei. Die NHTSA-Unterlagen nennen das gleich zweimal ausdrücklich. Das gilt unabhängig von Garantiestatus und davon, ob du das Motorrad neu oder gebraucht gekauft hast – ein Rückruf hängt am Fahrzeug, nicht am Erstkäufer.

Darf ich weiterfahren?

Ja – ein Fahrverbot gibt es nicht. Weder die NHTSA noch das KBA haben eine Stilllegung angeordnet. Im NHTSA-Datensatz stehen die Kennzeichen für „Do Not Drive" und „Park Outside" ausdrücklich auf nein.

Eine kursierende Falschmeldung dazu: In Suchergebnissen taucht die Behauptung auf, die NHTSA habe für diesen Rückruf ein „Do Not Drive" verhängt. Das ist nicht korrekt – wir haben es am Primärdatensatz geprüft. Die Behauptung stammt aus dem Umfeld von Seiten, die automatisiert Motorradnews erzeugen.

Das heißt nicht, dass es egal ist. Es geht um eine Bremse. In die Werkstatt gehört das Motorrad sofort, wenn der Fußbremshebel weich wird oder durchgeht, der Druckpunkt wandert, die Bremswirkung hinten nachlässt oder du feuchte Stellen beziehungsweise Flüssigkeit im Bereich Rahmen und Hinterrad findest. Bremsflüssigkeit ist dünn, klar bis leicht gelblich und fühlt sich seifig an.

Was passiert, wenn ich nicht reagiere?

Hier ist das deutsche Verfahren strenger, als viele erwarten. Beim überwachten Rückruf gilt: Folgen Halter auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht, informiert das KBA die örtlich zuständige Zulassungsbehörde. Und die kann nach § 5 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung dem Halter eine Frist zur Mängelbeseitigung setzen – oder den Betrieb des Fahrzeugs auf öffentlichen Straßen beschränken oder untersagen.

Im Klartext: Am Ende der Kette steht die Stilllegung. Konkrete Fristen nennt das KBA nicht, und die Behörde wird auch nicht beim ersten unbeantworteten Brief tätig. Wer einen Werkstatttermin macht, hat das Thema aber in einem Durchgang erledigt.

Was heißt das für Gebrauchtkäufer?

Das ist der Punkt, an dem dieser Rückruf über die betroffenen Halter hinaus relevant wird. Die Produktion vom Juni 2024 bis März 2026 bedeutet: Diese Maschinen stehen jetzt als junge Gebrauchte im Markt – teils mit wenigen tausend Kilometern, teils als Rückläufer aus Finanzierungen.

Vor der Anzahlung:

  1. Fahrgestellnummer geben lassen und beim Harley-Vertragshändler abfragen, ob 16440R offen oder erledigt ist.
  2. Werkstattbeleg verlangen, wenn der Verkäufer sagt, es sei gemacht. Eine mündliche Zusage ist beim Wiederverkauf nichts wert.
  3. Nicht als Preisdrücker missverstehen: Die Reparatur ist kostenfrei. Ein offener Rückruf ist kein Mangel, der den Wert mindert – er ist ein Termin, den du einplanen musst.
  4. Verkäufer nicht vorschnell verdächtigen: Wer sagt, er habe nichts gehört, sagt womöglich die Wahrheit. Der deutsche Eintrag ist erst wenige Tage alt.

Wie du eine Besichtigung insgesamt strukturierst, steht in unserer Checkliste für den Gebrauchtkauf; die typischen Fehler beim Privatkauf haben wir in Gebrauchtes Motorrad kaufen ohne Fehler gesammelt.

Sind Bremsleitungen bei Harley ein Einzelfall?

Nein – und das ist eine faire Einordnung wert. Ein Blick in die KBA-Datenbank zeigt bei den 53 dort geführten Harley-Rückrufen ein wiederkehrendes Muster: Leitungen, die irgendwo anliegen, wo sie nicht anliegen sollen.

KBA-Nr.DatumModelleProblemFahrzeuge DE
16440R11.08.2026Heritage Classic, Street Bob, Low Rider S/STBremsleitung scheuert am Steuergerät1.689
15221R25.11.2025SoftailReifendruckverlust, Austausch einer Halterung5.848
15599R30.10.2025Sportster SObere Gabelbrücke kann reißen2.094
14438R26.11.2024Low Rider ST und El DiabloVerlust der Bremskraft, Rückrufkit mit neuen Bremsleitungen32
1324724.10.2023CVO Street/Road GlideHintere Bremsleitung kann die Abgasanlage berühren56

Besonders auffällig: 14438R traf schon einmal die Low Rider ST wegen Bremsleitungen, und 13247 beschreibt dasselbe Grundmuster – eine hintere Bremsleitung, die an einem Bauteil anliegt, an dem sie nicht anliegen darf, nur an anderer Stelle.

Was man daraus fairerweise nicht ableiten sollte: Dass Harley schlecht baut. Rückrufe sind in der Branche Alltag, und ein Hersteller, der ein Konstruktionsdetail proaktiv über die Behörden zurückruft, verhält sich richtig. Was man ableiten sollte: Bei einer gebrauchten Harley lohnt die Rückrufabfrage per Fahrgestellnummer immer – nicht nur für diese eine Aktion.

Wie groß ist der Rückruf im Verhältnis?

Zur Einordnung eine belastbare Zahl aus der KBA-Bestandsstatistik: Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 308.026 Harley-Davidson-Krafträder zugelassen. Bei einem Gesamtbestand von 5.071.468 Krafträdern entspricht das einem Marktanteil von 6,1 Prozent – Harley ist im deutschen Bestand also keine Nische.

Gemessen daran ist der Rückruf klein: 1.689 Fahrzeuge sind rund 0,55 Prozent des deutschen Harley-Bestands. Das relativiert die Schlagzeile, aber nicht den Einzelfall – wenn deine Maschine dazugehört, hilft dir die Statistik nicht weiter.

Unsere Einschätzung

Das ist ein handhabbarer Rückruf mit einem unangenehmen Bauteil. Die Ursache ist ein Konstruktionsdetail, die Lösung ist eine neue Halterung, der Aufwand für dich ist ein Werkstatttermin. Es sind keine Vorfälle mit Sach- oder Personenschäden dokumentiert, und es gibt kein Fahrverbot.

Was den Fall trotzdem ernst macht, ist das betroffene System. Eine Bremsleitung, die durchscheuert, kündigt sich zwar meist an – weicher Hebel, wandernder Druckpunkt –, aber eben nicht immer rechtzeitig. Und die vier betroffenen Modelle wiegen zwischen 293 und 326 Kilogramm. Die Hinterradbremse ist an so einem Motorrad kein Nebenschauplatz, sondern das Werkzeug fürs Rangieren, fürs Schritttempo und für Nässe.

Konkret: Wer eine Heritage Classic, Street Bob, Low Rider S oder Low Rider ST aus der Produktion ab Juni 2024 fährt, ruft diese Woche den Händler an und lässt die Fahrgestellnummer prüfen. Wer eine solche Maschine gerade kaufen will, macht den erledigten Rückruf zur schriftlichen Bedingung. Alles andere kann warten.

Das Wichtigste in Kürze

  1. KBA-Rückruf 16440R, veröffentlicht am 11. August 2026, Status „überwacht" – die schärfere Stufe
  2. Betroffen: Heritage Classic, Street Bob, Low Rider S, Low Rider ST – bei der Low Rider ausdrücklich nur S und ST
  3. 1.689 Fahrzeuge in Deutschland, 34.736 weltweit; die US-Kampagne 26V234000 läuft seit April 2026 mit 16.994 Fahrzeugen
  4. Maßgeblich ist das Produktionsdatum 25.06.2024 bis 18.03.2026, nicht das Modelljahr
  5. Fehler: Die hintere Bremsleitung scheuert am Gehäuse des Steuergeräts neben der Batterie und kann undicht werden
  6. Abhilfe: Austausch der Halterung des Steuergeräts, Prüfung und ggf. Austausch der Bremsleitung – kostenfrei
  7. Kein Fahrverbot – anderslautende „Do Not Drive"-Meldungen sind falsch, im Primärdatensatz steht ausdrücklich „nein"
  8. Keine deutsche FIN-Abfrage online – Klärung nur über den Vertragshändler; bei Nichtreaktion droht am Ende die Betriebsuntersagung nach § 5 FZV

Häufige Fragen zum Harley-Rückruf 16440R

Welche Harley-Modelle sind vom Rückruf 16440R betroffen? Vier Softail-Modelle: Heritage Classic, Street Bob, Low Rider S und Low Rider ST. Entscheidend ist nicht das Modelljahr, sondern das Produktionsdatum – betroffen sind Maschinen, die zwischen dem 25. Juni 2024 und dem 18. März 2026 gebaut wurden. Das umfasst die Modelljahre 2025 und 2026. Das Kraftfahrt-Bundesamt grenzt bei der Low Rider ausdrücklich ein: nur Low Rider S und Low Rider ST, nicht die übrigen Low-Rider-Varianten. In Deutschland sind 1.689 Fahrzeuge betroffen, weltweit 34.736.

Wie finde ich heraus, ob mein Motorrad betroffen ist? Über deinen Harley-Vertragshändler mit der Fahrgestellnummer. Eine Online-Abfrage per FIN gibt es für Deutschland nicht – wir haben die deutschen Harley-Seiten daraufhin durchsucht und keine gefunden. Die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts listet die Aktion zwar unter der Referenznummer 16440R, erlaubt Bürgern aber keine Eingabe der Fahrgestellnummer. Sie zeigt also nur, dass es den Rückruf gibt, nicht ob dein Motorrad dazugehört. Die US-Suche auf nhtsa.gov funktioniert nur mit amerikanischen Fahrgestellnummern.

Was kostet die Reparatur? Nichts. Die NHTSA-Unterlagen nennen die Maßnahme zweimal ausdrücklich „free of charge“, also kostenfrei. Das ist bei Rückrufen der Normalfall und gilt unabhängig davon, ob das Motorrad noch Garantie hat oder ob du es gebraucht gekauft hast. Der Rückruf hängt am Fahrzeug, nicht am Erstkäufer.

Kann ich weiterfahren, bis der Termin steht? Die Behörden haben kein Fahrverbot ausgesprochen. Weder die US-Verkehrsbehörde NHTSA noch das Kraftfahrt-Bundesamt haben eine Stilllegung oder ein „Do Not Drive“ verhängt – wir haben das im NHTSA-Datensatz geprüft, dort stehen die entsprechenden Kennzeichen ausdrücklich auf „nein“. Anderslautende Behauptungen kursieren, sind aber falsch. Trotzdem: Es geht um die Hinterradbremse. Wenn der Hebel weich wird, der Druckpunkt wandert oder du Flüssigkeit am Rahmen siehst, gehört das Motorrad sofort in die Werkstatt und nicht mehr auf die Straße.

Was passiert, wenn ich den Rückruf ignoriere? Im schlimmsten Fall wird dein Motorrad stillgelegt. 16440R ist ein vom Kraftfahrt-Bundesamt überwachter Rückruf – das ist die schärfere von zwei Stufen und der Behörde zufolge den Fällen mit ernsten Risiken vorbehalten. Reagieren Halter auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht, informiert das KBA die zuständige Zulassungsbehörde, und die kann nach Paragraf 5 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung den Betrieb beschränken oder untersagen. Konkrete Fristen nennt das KBA nicht – wer zügig einen Termin macht, hat das Thema aber ohnehin vom Tisch.

Was genau ist am Motorrad kaputt? Nichts ist von Anfang an kaputt – es reibt sich etwas auf. Die Leitung zur Hinterradbremse verläuft bei diesen vier Modellen zu dicht am Gehäuse des Body Control Module, dem Steuergerät der Bordelektrik neben der Batterie. Durch Vibrationen im Fahrbetrieb können sich Leitung und Gehäuse aneinander scheuern, bis die Leitung durchgescheuert ist. Tritt dann Bremsflüssigkeit aus, fällt die Hinterradbremse aus. Harley tauscht deshalb die Halterung des Steuergeräts gegen eine neu konstruierte, die genug Abstand schafft, und prüft die Leitung – bei Beschädigung wird sie mitgetauscht.

Ich will eine gebrauchte Softail kaufen – worauf muss ich achten? Lass dir vor der Anzahlung schriftlich bestätigen, dass der Rückruf 16440R erledigt ist, am besten über einen Werkstattbeleg mit Fahrgestellnummer. Ein Verkäufer, der „davon habe ich nichts gehört“ sagt, muss nichts verschweigen – die Halterbriefe für Deutschland waren zum Zeitpunkt der KBA-Veröffentlichung noch nicht überall angekommen. Prüfe außerdem, ob ältere Aktionen offen sind: Bei Softails der Baujahre bis 2024 gab es 2025 einen Rückruf zur Halterung am Federbein, bei der Sportster S einen zur oberen Gabelbrücke. Alle laufen über die Fahrgestellnummer beim Händler.

Ist die Vorderradbremse auch betroffen? Nein. Es geht ausschließlich um die Leitung zur Hinterradbremse. Die Vorderradbremse bleibt funktionsfähig, und sie übernimmt an einem Motorrad ohnehin den größeren Teil der Verzögerung. Harmlos ist der Ausfall trotzdem nicht: Der Bremsweg wird länger, und gerade an einem über 290 Kilogramm schweren Cruiser ist die Hinterradbremse beim Rangieren, im Schritttempo und bei Nässe ein Werkzeug, das man nicht ersatzlos verlieren will.


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