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Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Marcus ist Mitgründer von MotoBuy und leidenschaftlicher Motorrad-Enthusiast. Er schreibt über Markttrends, Kaufentscheidungen und die Zukunft des deutschen Motorradmarkts.

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Rieju Scrambler 607: Was kostet der Retro-Twin mit 64 PS?

581 cm³, 64 PS und 6.190 Euro: Die neue Rieju Scrambler 607 kommt im September nach Deutschland. Was sie kann, woher ihr Motor stammt – und warum sie kein A2-Motorrad ist.

19. August 20269 Min. Lesezeit
Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Rieju Scrambler 607: Retro-Twin mit 64 PS – Preis und Technik
KI-generiert

Die Rieju Scrambler 607 ist ein Retro-Scrambler mit 581-cm³-Reihenzweizylinder, 64 PS (47 kW) und Kreuzspeichenrädern, der im September 2026 in Deutschland in den Handel kommen soll. Der Importeur nennt 6.190 Euro plus 250 Euro Liefernebenkosten – also 6.440 Euro. Drei Dinge sollte man vorher wissen: Sie ist kein A2-Motorrad, die Zahl 607 hat mit dem Hubraum nichts zu tun, und es gibt ein Motorrad mit exakt demselben Motor, das etwas günstiger ist. (Stand: 19. August 2026)

Was kostet sie in Deutschland?

Der deutsche Importeur März Motorradhandel aus Ettlingen nennt für die Scrambler 607 einen Preis von 6.190 Euro, zuzüglich 250 Euro Liefernebenkosten.

MarktListenpreisNebenkostenEffektiv
Deutschland6.190 €+ 250 € Lieferkosten6.440 €
Italien6.090 €keine Angabe6.090 €
Spanienkein Preis veröffentlicht––

Ein Vorbehalt gehört dazu: Dieser Preis steht auf keiner offiziellen Seite – weder bei Rieju noch beim Importeur. Er stammt aus einer Auskunft an die Fachpresse. Eine deutsche Vorbestellmöglichkeit war zum Redaktionsschluss ebenfalls nicht auffindbar. In Großbritannien nimmt Rieju zwar Anzahlungen entgegen, weist dort aber selbst darauf hin, dass der endgültige Listenpreis noch nicht feststeht.

Warum die 607 im Namen in die Irre führt

Die Scrambler 607 hat rund 581 Kubikzentimeter, nicht 607. Bei Rieju ist die Zahl im Modellnamen keine Hubraumangabe, sondern eine Klassenbezeichnung – dasselbe Muster zieht sich durch die gesamte Palette:

ModellName suggeriertTatsächlicher Hubraum
Coaster 407407384,5 cm³
XPLORA 557557554 cm³
Scrambler 607607581 cm³

Im britischen Markt kursiert deshalb die Angabe „607cc" – die ist falsch. Praktisch relevant ist das bei Versicherung und Steuer, wo der echte Hubraum zählt.

Die Technik im Überblick

MerkmalWert
MotorReihenzweizylinder, wassergekühlt, DOHC, 8 Ventile
Hubraum581 cm³
Leistung64 PS (47 kW)
Drehmoment58 Nm (Drehzahl nicht angegeben)
Getriebe6 Gänge, Kette
AbgasnormEuro 5+
RahmenStahlrohrrahmen
FahrwerkTelegabel mit Faltenbälgen, Stahlschwinge mit zwei Federbeinen
RäderKreuzspeichen, schlauchlos, 110/80-19 vorn / 150/70-17 hinten
BremsenNissin, 310 mm vorn / 240 mm hinten, ABS
AssistenzTraktionskontrolle (TCS)
Gewicht190 kg trocken
Tank18 l
Sitzhöheca. 820 mm
Radstand1.500 mm
Garantie2 Jahre

Optisch setzt Rieju die üblichen Scrambler-Zeichen: hochgelegte Doppelrohr-Auspuffanlage, grobes Reifenprofil ab Werk, Schutzgitter vor dem Wasserkühler.

Zum Gewicht ein wichtiger Hinweis: Die 190 Kilogramm sind ein Trockengewicht. Mit 18 Litern im Tank und allen Betriebsstoffen liegt das Fahrgewicht spürbar höher. Die Schlagzeile „unter 200 Kilo" stimmt damit nur auf dem Papier – und der Vergleich mit Honda oder Kawasaki, die vollgetankte Werte angeben, geht so nicht auf.

Ein Detail, das man leicht übersieht: Rieju wirbt prominent mit fünf Jahren Garantie – die gilt aber ausdrücklich nur für die Baureihen XPLORA und X-OVER. Für die Scrambler 607 bleibt es bei den regulären zwei Jahren.

Woher kommt der Motor?

Laut MOTORRAD liefert der chinesische Hersteller Loncin den Zweizylinder zu. Rieju selbst äußert sich dazu nicht, und weder die spanische noch die italienische Fachpresse nennt einen Motorenlieferanten – die Zuschreibung ruht also auf einer einzigen Quelle.

Ein Blick auf die Datenblätter macht sie aber plausibel. Voge ist die Eigenmarke von Loncin und verkauft in Deutschland zwei Modelle mit auffällig vertrauten Werten:

ModellHubraumLeistungDrehmoment
Rieju Scrambler 607581 cm³64 PS (47 kW)58 Nm
Voge R625581 cm³64 PS (47 kW)57 Nm
Voge DS625X581 cm³64 PS (47 kW)57 Nm

Das ist praktisch dasselbe Datenblatt. Beweisen lässt sich die Identität ohne Herstelleraussage nicht, aber die Indizienlage ist deutlich. Für Rieju wäre es auch kein Novum: Die Marke kauft ihre Motoren erkennbar bei mehreren chinesischen Zulieferern ein – die Coaster 407 fährt mit einem V2 aus dem QJMotor-Benelli-Regal, die XPLORA-Reihe mit Twins aus einem eingestellten MV-Agusta-Projekt.

Der eigentliche Preisvergleich kommt aus demselben Haus

Wer nur auf den Motor schaut, findet ihn anderswo günstiger:

ModellOhne ÜberführungInkl. Überführung
Rieju Scrambler 6076.190 €6.440 €
Voge R6255.999 €6.369 €
Voge DS625X6.699 €7.069 €

Die Voge R625 liegt all-in rund 70 Euro unter der Rieju – bei identischen Motordaten. Kurios: Beide Marken werden in Deutschland vom selben Importeur betreut. März Motorradhandel führt Rieju und Voge gleichermaßen.

Der Unterschied liegt also nicht im Antrieb, sondern im Konzept. Die Voge R625 ist ein Naked Bike mit Gussrädern, die Rieju ein Scrambler mit Kreuzspeichenrädern, Faltenbälgen und hochgelegtem Auspuff. Wer den Stil will, zahlt die 70 Euro – wer nur den Motor will, hat eine Alternative.

Ist die Scrambler 607 A2-tauglich?

Nein. Mit 47 kW liegt sie klar über der A2-Grenze von 35 kW, und eine gedrosselte Variante ist nirgends dokumentiert.

Dass das kein Versehen ist, zeigt ein Blick auf Riejus eigene Kommunikation: Die Marke kennzeichnet A2-Modelle sonst sehr konsequent – auf der deutschen Seite gibt es sogar einen eigenen Filter „35kW – A2", und bei der Schwester Coaster 407 bewirbt Rieju die A2-Tauglichkeit ausdrücklich. Bei der Scrambler 607 fehlt jede vergleichbare Angabe.

Rein rechtlich wäre eine Drosselung zulässig, weil die offene Version mit 47 kW unter der 70-kW-Grenze bleibt. Ein homologiertes Kit müsste Rieju oder der Importeur aber erst anbieten – dokumentiert ist keines. Wer den A2 hat, sollte das vor einer Bestellung beim Händler klären. Passende Alternativen findest du in unserer Übersicht zu A2-Motorrädern für Einsteiger.

Wie schlägt sie sich gegen die Konkurrenz?

Hier wird es für die Rieju günstig – ihre Kombination aus Retro-Optik, Zweizylinder und 64 PS ist im deutschen Markt unter 7.000 Euro derzeit einmalig.

ModellHubraumLeistungDE-Preis (ab Werk)A2
CFMoto 450CL-C449 cm³44 PS5.999 € (inkl. Nebenkosten)✓
Honda CL500471 cm³46,6 PS6.070 €✓
Rieju Scrambler 607581 cm³64 PS6.190 €✗
Honda CMX500 Rebel471 cm³46,2 PS6.380 €✓
CFMoto 450CL-C Bobber449 cm³44 PS6.499 € (inkl. Nebenkosten)✓
Royal Enfield Interceptor 650648 cm³ca. 47 PS7.720 € (inkl. Überführung)✓
Kawasaki Z650RS649 cm³68 PS8.095 €✓ (Drosselkit)

Achtung beim Direktvergleich: Die Preisbasis ist nicht einheitlich. Honda und Kawasaki nennen Preise ab Werk und schlagen 629 beziehungsweise 425 Euro Überführung auf, CFMoto rechnet die Herstellernebenkosten schon ein, Royal Enfield die Überführung ebenfalls. Wer Datenblätter nebeneinanderlegt, sollte immer dieselbe Spalte vergleichen.

Das Muster ist eindeutig: Alles unter 7.000 Euro liegt zwischen 44 und 48 PS und ist damit A2-Klasse. Der nächste echte Retro-Twin darüber, die Kawasaki Z650RS, kostet rund 1.900 Euro mehr.

Interessanter als die bloße Abwesenheit ist, wie diese Lücke entstanden ist: Die CFMoto 700CL-X (71 PS), die Moto Morini Seiemmezzo SCR (61 PS) und die Kawasaki W800 standen alle einmal in dieser Ecke – und sind inzwischen aus dem deutschen Programm verschwunden. Die Rieju besetzt eine Nische, die andere gerade geräumt haben.

Fair bleiben muss man trotzdem: Zweizylinder mit ähnlicher Leistung unter 7.000 Euro gibt es sehr wohl, nur in anderen Segmenten – die CFMoto 700MT etwa hat 68 PS für 6.999 Euro, ist aber ein 240 Kilogramm schwerer Reisetourer. Die Aussage gilt für Retro- und Scrambler-Modelle, nicht pauschal.

Was Rieju noch nicht sagt

Das ist der größte Vorbehalt vor einer Kaufentscheidung: Rieju hat bis heute keine offizielle Modellseite zur Scrambler 607 veröffentlicht – weder auf der deutschen noch auf der spanischen Seite. Im Katalog taucht sie schlicht nicht auf. Die einzige Herstelleräußerung ist eine Pressemitteilung von der EICMA im November 2025, und die enthält keine einzige technische Angabe.

Offen sind damit:

  • Höchstgeschwindigkeit und Verbrauch – nirgends genannt
  • Federwege und Bodenfreiheit – bei einem Scrambler durchaus relevant
  • Displaytyp – ob TFT oder einfaches LCD, ist nicht belegt. Der große TFT-Bildschirm, der teils zugeordnet wird, gehört zum Schwestermodell Aventura 607
  • Deutsche Farbpalette – bislang ist nur eine Farbe über den britischen Markt bekannt
  • Die Drehzahl zum Drehmoment – die 58 Nm stehen ohne Angabe da
  • Bremse vorn – Einzel- oder Doppelscheibe, die Quellen widersprechen sich
  • Ein Fahrbericht – gefahren hat sie bislang keine Redaktion

Bei einer Marke mit einem in Deutschland überschaubaren Netz von gut 70 Händlern ist das ein Grund, eine Probefahrt zur Bedingung zu machen statt zum Nice-to-have.

Für wen ist sie das richtige Motorrad?

Passend ist die Scrambler 607 für Fahrerinnen und Fahrer mit offenem A-Führerschein, die einen unaufgeregten Retro-Twin mit ordentlich Druck suchen und denen die etablierten Alternativen zu teuer sind. 64 PS bei rund 6.400 Euro all-in ist ein Angebot, das im Segment sonst niemand macht. Die 820 Millimeter Sitzhöhe sind für einen Scrambler moderat, aber kein Einsteigermaß.

Weniger passend ist sie für A2-Inhaber – für die ist sie schlicht nicht zugelassen. Ebenso für alle, denen ein dichtes Servicenetz und ein kalkulierbarer Wiederverkaufswert wichtig sind: Bei einer Nischenmarke mit chinesischem Antrieb ist der Restwert schwer vorherzusagen. Wie sich dieser Markt entwickelt, ordnen wir im Beitrag zum Restwert von China-Motorrädern ein.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Preis Deutschland: 6.190 € plus 250 € Liefernebenkosten – also 6.440 €, Marktstart September 2026
  2. 581 cm³ Reihentwin mit 64 PS (47 kW) – die 607 im Namen ist keine Hubraumangabe
  3. Kein A2-Motorrad und keine gedrosselte Version in Sicht – anders als die Schwester Coaster 407
  4. 190 kg sind trocken gemessen, nicht vollgetankt
  5. Der Motor findet sich auch in der Voge R625 – die all-in rund 70 Euro günstiger ist, beide Marken vom selben Importeur
  6. Unter 7.000 Euro der einzige Retro-Twin mit mehr als 48 PS – die Konkurrenz liegt bei 44 bis 48 PS
  7. Keine offizielle Modellseite, kein Fahrbericht, nur zwei Jahre Garantie – Probefahrt zur Bedingung machen

Aktuelle Angebote der Marke findest du im MotoBuy-Marktplatz, und wenn du dich generell für preiswerte Neueinsteiger aus Fernost interessierst, lohnt der Blick in unsere Übersicht der China-Motorradmarken.

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