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Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Marcus ist Mitgründer von MotoBuy und leidenschaftlicher Motorrad-Enthusiast. Er schreibt über Markttrends, Kaufentscheidungen und die Zukunft des deutschen Motorradmarkts.

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Rieju Coaster 407: Was kostet der A2-Cruiser mit Automatik?

Ein A2-Cruiser mit V2, Automatikgetriebe und 690 mm Sitzhöhe für 5.490 Euro. Was die Rieju Coaster 407 in Deutschland wirklich kostet – und woher sie kommt.

10. August 20269 Min. Lesezeit
Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Rieju Coaster 407: A2-Cruiser mit Automatik – Preis und Technik
KI-generiert

Die Rieju Coaster 407 ist ein A2-Cruiser mit 384,5-cm³-V2, automatisiertem Sechsganggetriebe ohne Fußschalthebel, Zahnriemen und nur 690 mm Sitzhöhe. Rieju nennt für Deutschland 5.490 Euro plus 250 Euro Lieferkosten – also 5.740 Euro. Damit ist die vielfach zitierte Erwartung „unter 5.000 Euro" widerlegt. Drei Dinge sollte man vor dem Kauf wissen: Technisch ist die Coaster ein umgelabeltes chinesisches Modell, gefahren hat sie bislang noch keine Redaktion – und es gibt ein technisch sehr ähnliches Konkurrenzmodell, das günstiger ist. (Stand: 10. August 2026)

Was kostet sie in Deutschland?

Diese Frage war bis vor Kurzem offen – die deutsche Fachpresse meldete Ende Juli und Anfang August, ein Preis des deutschen Importeurs liege noch nicht vor, und erwartete einen Wert unter 5.000 Euro. Inzwischen steht er auf der deutschen Rieju-Modellseite:

MarktListenpreisNebenkostenEffektiv
Deutschland5.490 € inkl. MwSt.+ 250 € Lieferkosten5.740 €
Spanien4.961 €Transport inklusive4.961 €
Frankreich5.199 €keine Angabe5.199 €

Deutschland ist damit rund 780 Euro teurer als Spanien – und liegt klar über der 5.000-Euro-Marke, die in den ersten Meldungen im Raum stand. Wichtig zur Einordnung: Belegen lässt sich, dass dieser Preis heute so auf der Rieju-Seite steht. Seit wann er dort steht, sagt Rieju nicht.

Einen Termin für den deutschen Marktstart gibt es noch nicht. In Frankreich steht die Coaster bereits bei Händlern, in Deutschland waren zum Redaktionsschluss keine Angebote auffindbar.

Die Technik im Überblick

Alle Werte stammen aus dem offiziellen Rieju-Datenblatt.

Motor384,5 cm³ V2, 8 Ventile, flüssigkeitsgekühlt, Einspritzung
Bohrung × Hub60 × 68 mm
Leistung25,8 kW (34,6 PS) bei 8.250/min
Drehmoment36 Nm bei 4.500/min
Getriebe6 Gänge, automatisiertes Schaltgetriebe (AMT)
EndantriebZahnriemen
RahmenStahlrohr
Federung vornTeleskopgabel Ø 37 mm, 120 mm Federweg
Federung hintenMono-Federbein, 65 mm Radfederweg
Bremse vorneine Scheibe Ø 300 mm, Nissin-Doppelkolbensattel
Bremse hintenScheibe Ø 240 mm, Einkolbensattel
AssistenzABS und Traktionskontrolle serienmäßig
Reifen130/60-19 vorn, 180/55-17 hinten (Kenda)
Radstand1.550 mm
Sitzhöhe690 mm
Gewicht180 kg trocken (Herstellerangabe)
Tank16 l
Höchstgeschwindigkeit155 km/h

Dazu kommen Voll-LED-Licht, Keyless-System, Anti-Hopping-Kupplung, LCD-Display mit Konnektivität sowie je ein USB-A- und USB-C-Anschluss.

Drei Hinweise zu Zahlen, die im Umlauf sind:

  • Die häufig genannten „385 cm³ und 35 PS" sind gerundet. Rieju selbst nennt 384,5 cm³ und 34,6 PS.
  • Die 180 kg sind ausdrücklich ein Trockengewicht. Ein Fahrfertiggewicht gibt Rieju nicht an; wo „170 kg fahrfertig" auftaucht, stammt der Wert vermutlich von der kleineren Coaster 125. Fahrfertig dürfte die 407er eher bei etwa 195 kg liegen – das ist eine Schätzung, keine Herstellerangabe.
  • Vorn sitzt eine Scheibe, nicht zwei. Die Angabe „Doppelscheibe" in manchen Berichten ist ein Übersetzungsfehler aus „Doppelkolbensattel".

Nicht angegeben werden von Rieju: Verbrauch, Abgasnorm und eine Farbliste. Euro 5+ wird nur von Fachmedien genannt, nicht vom Hersteller; faktisch gibt es die Coaster bislang nur in Schwarz.

Das Automatikgetriebe – das eigentliche Argument

Hier liegt der Grund, warum die Coaster überhaupt interessant ist. Sie hat ein AMT, ein automatisiertes Schaltgetriebe. Wichtig zur Abgrenzung:

  • Kein Variomatik-Getriebe wie beim Roller
  • Kein Doppelkupplungsgetriebe wie Hondas DCT
  • Sondern ein ganz normales Sechsganggetriebe, bei dem Aktuatoren das Kuppeln und Schalten übernehmen

Fahren lässt es sich in zwei Modi: vollautomatisch oder manuell-sequenziell über Schaltwippen am linken Lenkergriff. Einen Fußschalthebel gibt es nicht.

Ein offener Punkt: Ob ein Kupplungshebel am Lenker montiert bleibt, ist unklar. Rieju wirbt in Frankreich sinngemäß damit, es gebe weder Hebel noch Kupplung noch Stress. Zwei Fachmedien beschreiben dagegen einen vorhandenen, praktisch aber funktionslosen Kupplungshebel. Wer darauf Wert legt, sollte sich das Motorrad vor dem Kauf ansehen.

Technisch vergleichbar sind Yamahas Y-AMT, KTMs AMT und BMWs ASA. Bei den etablierten Marken findet man diese Technik fast ausschließlich in Motorrädern jenseits der 10.000 Euro – keiner der großen Hersteller bietet 2026 einen A2-Cruiser mit Automatik an, auch Honda nicht. Das Verkaufsargument der Coaster ist also: diese Technik in einem Motorrad für rund 5.700 Euro.

Ganz allein ist sie damit allerdings nicht – dazu gleich mehr.

Woher kommt die Coaster wirklich?

Das gehört zu einer ehrlichen Kaufberatung dazu. Die Coaster 407 ist keine spanische Eigenentwicklung, sondern entspricht der Marshal YES418 des chinesischen Herstellers Guangdong Jianya aus Jiangmen in der Provinz Guangdong. Die Übereinstimmung geht weit über Ähnlichkeit hinaus:

  • gleicher Hubraum von 384,5 cm³ und identische Bohrung × Hub von 60 × 68 mm
  • gleiches Drehmoment von 36 Nm bei 4.500/min
  • gleicher Radstand von 1.550 mm, gleiche Länge, gleiche Sitzhöhe von 690 mm
  • gleiche Bremsen, gleiche Reifengrößen, gleiche Höchstgeschwindigkeit

Ein Unterschied fällt auf: Die chinesische Version leistet 29 kW (rund 39 PS), die Rieju 25,8 kW. Das spricht für eine Anpassung an die europäische Homologation.

Rieju selbst äußert sich zur Herkunft öffentlich nicht – weder auf der Modellseite noch in der Pressemitteilung. Was der spanische Hersteller beisteuert, sind Marke, Europa-Homologation, Vertrieb und Garantie.

Ist das ein Ausschlusskriterium? Nein. Marken wie Brixton, Mash oder AJS arbeiten seit Jahren nach demselben Muster, und die Qualität chinesischer Zulieferer hat sich deutlich verbessert. Es ist aber ein Punkt, den man beim Preisvergleich und vor allem beim Wiederverkaufswert einkalkulieren sollte – wie sich das bei China-Modellen auswirkt, haben wir in China-Motorräder und der Restwert aufgeschlüsselt. Einen Überblick über die Marken gibt unser Ratgeber zu den China-Motorradmarken.

Zu Rieju selbst: Der Hersteller aus Figueres in Katalonien wurde 1934 von Luis Riera Carré und Jaime Juanola Farrés gegründet – der Markenname setzt sich aus beiden Nachnamen zusammen. Bekannt ist Rieju für Enduros und Kleinkrafträder; 2020 übernahm das Unternehmen die Enduro-Industrieplattform von GasGas. Die Coaster ist der erste Rieju mit Automatikgetriebe.

Wie schlägt sie sich gegen die Konkurrenz?

Der naheliegende Gegenspieler ist die Honda CMX 500 Rebel – der meistverkaufte A2-Cruiser in Deutschland und mit rund 11.700 zugelassenen Exemplaren das häufigste Honda-Motorrad im deutschen Bestand.

Rieju Coaster 407Honda CMX 500 Rebel
Motor384,5 cm³ V2471 cm³ Reihen-Zweizylinder
Leistung34,6 PS46,2 PS
Drehmoment36 Nm bei 4.500/min43,3 Nm bei 6.000/min
GetriebeAMT-AutomatikHandschaltung, 6 Gänge
EndantriebZahnriemenKette
Sitzhöhe690 mm690 mm
Tank16 l11,2 l
Gewicht180 kg trocken191 kg vollgetankt
Preis inkl. Nebenkosten5.740 €7.009 €

Die Rebel hat die Mehrleistung, das Händlernetz und den liquiden Gebrauchtmarkt. Die Coaster hat die Automatik, den deutlich größeren Tank, den wartungsärmeren Riemenantrieb – und ist rund 1.270 Euro günstiger.

Der eigentliche Konkurrent kommt aus derselben Ecke

Die Coaster ist nicht der einzige A2-Cruiser mit Automatik in Deutschland – anders, als es die erste Berichterstattung nahelegte. Es gibt zwei weitere, und einer davon wird der Rieju sehr gefährlich:

Rieju Coaster 407QJ Motor SRV 400 AMTBenda Chinchilla 350
Motor384,5 cm³ V2385 cm³ V2343 cm³ V2
Leistung34,6 PS34 PS34 PS bei 8.700/min
Getriebe6-Gang AMT6-Gang AMTCVT-Variomatik
EndantriebZahnriemenZahnriemenZahnriemen
Sitzhöhe690 mm720 mm690 mm
Gewicht180 kg trocken184 kg195 kg fahrfertig
Preis5.490 € + 250 €5.399 €6.499 € + 300 €

Der QJ Motor SRV 400 AMT ist der Punkt, an dem es interessant wird. Gleicher Hubraum, gleiche Leistungsklasse, gleiches Getriebekonzept, gleicher Riemenantrieb – und mit 5.399 Euro auf der Liste günstiger als die Rieju. Dass hier dieselbe chinesische Plattform unter zwei europäischen Marken verkauft wird, liegt sehr nahe. Bestätigt ist es allerdings nicht: Keine der beiden Marken äußert sich dazu, und keine Quelle stellt die Verbindung ausdrücklich her.

Wichtig für den fairen Vergleich: QJ Motor weist auf der Preisseite keine Nebenkosten aus, Rieju nennt 250 Euro Lieferkosten separat. Der reale Abstand kann also kleiner oder größer ausfallen, als die Listenpreise vermuten lassen – hier lohnt die konkrete Nachfrage beim Händler.

Die Benda Chinchilla 350 löst die Aufgabe anders: Sie hat eine CVT-Variomatik wie ein Roller, kein automatisiertes Schaltgetriebe. Das fährt sich anders – gleichmäßiger, aber ohne spürbare Gangwechsel. Mit 6.799 Euro inklusive Nebenkosten ist sie zudem die teuerste der drei.

Wer sich generell im Einsteigersegment umsieht, findet in unserer Übersicht der besten A2-Motorräder die breitere Auswahl.

Für wen ist sie das richtige Motorrad?

Passt gut, wenn du:

  • einen entspannten Cruiser suchst und das Kuppeln im Stadtverkehr als lästig empfindest
  • klein bist oder unsicher beim Stand – 690 mm Sitzhöhe gehört zum Niedrigsten, was der Markt hergibt (mehr dazu in Das erste Motorrad für kleine Fahrer)
  • vom 125er auf A2 aufsteigst und den Umstieg möglichst einfach halten willst
  • Wert auf niedrige Wartungskosten legst – der Zahnriemen braucht kein Kettenspray und kein Nachspannen

Passt eher nicht, wenn du:

  • regelmäßig Autobahn fährst – 34,6 PS und 155 km/h lassen wenig Reserve
  • später auf Klasse A aufsteigst und dann mehr Leistung freischalten willst; die Coaster ist offen, da kommt nichts nach
  • ein dichtes Servicenetz brauchst – Rieju ist in Deutschland eine Nischenmarke
  • den Wiederverkaufswert hoch gewichtest

Was noch offen ist

Fairerweise gehört das an den Schluss, denn es ist mehr, als man bei einem Modell mit Preisschild erwarten würde:

  • Es existiert bis heute kein einziger Fahrbericht. Weder in Deutschland noch in Spanien oder Frankreich hat eine Redaktion die Coaster 407 gefahren. Alles, was bislang geschrieben wurde – auch dieser Beitrag – beruht auf Datenblatt und Pressemitteilung. Zu Fahrverhalten, Getriebeabstimmung und Verarbeitung gibt es keine belastbaren Aussagen.
  • Kein deutscher Markttermin und bislang keine Händlerangebote.
  • Verbrauch und Abgasnorm stehen in keinem offiziellen Rieju-Dokument.
  • Der Kupplungshebel – siehe oben.

Unsere Empfehlung: Das Konzept ist stimmig und die Technik für den Preis attraktiv. Aber bei einem Modell ohne einen einzigen Test und ohne etabliertes Servicenetz sollte eine Probefahrt Bedingung sein, kein Nice-to-have. Und wer ohnehin bei einer Nischenmarke kauft, sollte sich den QJ Motor SRV 400 AMT danebenstellen – technisch sehr ähnlich, auf dem Papier günstiger, ebenfalls mit A2-Automatik. Wer nicht unter Zeitdruck steht, wartet die ersten Fahrberichte ab; sie dürften mit dem deutschen Marktstart kommen.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Preis Deutschland: 5.490 € plus 250 € Lieferkosten – die Erwartung „unter 5.000 Euro" hat sich nicht bestätigt
  2. 384,5 cm³ V2 mit 34,6 PS, klar A2-tauglich ohne Drosselung
  3. Automatisiertes Sechsganggetriebe mit Schaltwippen, kein Fußschalthebel – bei den etablierten Marken gibt es das im A2-Cruiser-Segment nicht
  4. 690 mm Sitzhöhe und Zahnriemen sprechen Einsteiger an
  5. Technisch ein umgelabeltes chinesisches Modell (Marshal YES418) mit spanischer Marke und Garantie
  6. Der QJ Motor SRV 400 AMT ist der direkte Konkurrent – technisch sehr ähnlich, mit 5.399 € günstiger
  7. Noch kein Fahrbericht, kein deutscher Termin – Probefahrt zur Bedingung machen

Passende Einsteigermodelle findest du im MotoBuy-Marktplatz, und wenn du gerade erst überlegst, ob es A2 oder erst einmal die 125er sein soll, hilft dir unser Ratgeber zum 125er-Führerschein B196.

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