KTM 790 RC: Was hinter dem Erlkönig steckt
Ein getarnter Prototyp auf Basis der 790 Duke deutet einen neuen KTM-Sportler an. Was belegt ist, was Interpretation – und was du im Segment heute bekommst.
Marcus Hofer
Gründer & Motorrad-Experte
In Oberösterreich ist ein Prototyp eines neuen KTM-Sportmotorrads fotografiert worden: technisch eine 790 Duke im Sportkleid, getarnt mit der kompletten Verkleidung der größeren 990 RC R. KTM hat sich dazu nicht geäußert – der Name „790 RC" stammt von der Redaktion, die die Bilder veröffentlicht hat, nicht vom Hersteller. Belegt ist also: Ein Mittelklasse-Sportler wird getestet. Nicht belegt sind Leistung, Ausstattung, Preis, Name und Termin. (Stand: Juli 2026)
Dieser Beitrag trennt sauber, was auf den Fotos zu sehen ist und was Interpretation ist – und zeigt, was das Sportmotorrad-Segment dir schon heute bietet, während KTM noch testet.
Was ist wirklich belegt?
Weniger, als die Überschriften vermuten lassen. Die gesamte Berichterstattung geht auf eine einzige Fotoserie vom 29. Juli 2026 zurück. Sie erschien am selben Tag in zwei Publikationen – aber vom selben Autor und mit derselben Bildquelle. Das sind also nicht zwei unabhängige Bestätigungen, sondern eine Quelle in zwei Kanälen.
Von KTM gibt es kein Wort dazu – weder Bestätigung noch Dementi.
Was sich auf den Bildern erkennen lässt:
- Der Prototyp trägt die komplette Verkleidung der 990 RC R. Die Quelle schreibt ausdrücklich, sie sei nur für die Testfahrten montiert – das finale Design kann also völlig anders aussehen.
- Verräterisch sind die Teile darunter: die charakteristische Schwinge, ein hochgelegter Auspuff und die WP-Bremsanlage. Alle drei deuten auf die neue 790 Duke als Basis.
- Ein Sportler mit Alltagsanspruch, kein Rennstreckengerät – so ordnet die Quelle die Ausrichtung ein.
Reine Einschätzung der Redaktion – und nicht mit Fakten belegt – ist alles Weitere: dass das Motorrad „790 RC" heißen wird, dass die Leistung nur minimal über der 790 Duke liegt, dass die Aprilia RS 660 als Maßstab des Projekts dient und dass KTM den Sportbereich generell ausbauen will.
Ein Punkt, der oft falsch wiedergegeben wird: Die Aprilia RS 660 gilt laut Quelle als Benchmark des Projekts. Dass bei den fotografierten Testfahrten tatsächlich eine RS 660 mitgefahren wäre, steht dort nicht – und ist auf den Bildern nicht zu sehen.
Wann könnte die 790 RC kommen?
Ein Termin existiert nicht. Die Quelle nennt als Erfahrungswert, dass aus diesem Entwicklungsstadium bis zu zwei Jahre bis zur Serienreife vergehen können – möglicherweise weniger, weil viele Komponenten von der 790 Duke übernommen werden könnten.
Für die Kaufplanung heißt das schlicht: Das ist kein Motorrad, auf das man wartet. Zwischen einem getarnten Prototyp ohne Herstellerbestätigung und einer Maschine beim Händler liegen realistisch ein bis zwei Saisons – und Projekte in diesem Stadium verschwinden regelmäßig wieder, ohne dass es jemals eine Meldung darüber gibt.
Die technische Basis: KTM 790 Duke
Die 790 Duke ist gerade neu aufgelegt worden – KTM führt sie als Modelljahr 2027, der Marktstart lief Ende Juli 2026. Sie ist die belastbarste Referenz für das, was ein Sportler auf dieser Basis leisten könnte.
| KTM 790 Duke (MJ 2027) | |
|---|---|
| Motor | 799 cm³, LC8c-Parallel-Twin, Euro 5+ |
| Leistung Deutschland | 95 PS (70 kW) |
| Leistung international | 105 PS (77 kW) bei 9.500/min |
| Drehmoment | 87 Nm |
| Gewicht | 167 kg ohne Kraftstoff (KTM) · rund 185 kg fahrfertig (Fachpresse) |
| Sitzhöhe / Tank | 825 mm / 13,5 l |
| Bremsen | WP, 2 × 300 mm radial, Vierkolben / 240 mm hinten |
| Preis | 8.699 € zzgl. Nebenkosten |
Zur Leistungsangabe, weil sie überall unterschiedlich kursiert: KTM Deutschland listet 95 PS, die internationale Seite 105 PS. Das ist kein Fehler, sondern Absicht – dazu gleich mehr beim Thema A2.
Zum Gewicht: Die 167 kg sind KTMs Angabe ohne Kraftstoff, die rund 185 kg stammen aus Fachtests und meinen fahrfertig. Beide Zahlen lassen sich nicht sauber ineinander umrechnen; wir nennen sie deshalb getrennt statt eine davon als „das" Gewicht auszugeben.
Serienmäßig sind die Fahrmodi Street, Sport und Rain, eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Road- und Supermoto-ABS sowie ein 5-Zoll-TFT-Display. Quickshifter und Track-Modus kosten extra.
Wo würde die 790 RC einsortiert werden?
Zwischen den beiden bestehenden Sportmodellen – wobei eines davon in Europa gerade verschwindet.
| KTM RC 390 | 790 RC (Prototyp) | KTM 990 RC R | |
|---|---|---|---|
| Hubraum | 373 cm³ | 799 cm³ (erwartet) | 947 cm³ |
| Leistung | 44 PS (32 kW) | unbekannt | 94 kW (128 PS) bei 9.500/min |
| Drehmoment | 37 Nm | unbekannt | 103 Nm bei 6.750/min |
| Gewicht | 158 kg ohne Kraftstoff | unbekannt | 184 kg ohne Kraftstoff / 195 kg vollgetankt |
| Sitzhöhe | 824 mm | unbekannt | 845 mm |
| Preis | zuletzt 6.899 € UVP | unbekannt | 15.490 € zzgl. 495 € NK |
| Status | Europa ausgelaufen | Prototyp | lieferbar |
Zur 990 RC R: KTM kommuniziert sie gern mit „130 PS". Der homologierte Wert im Datenblatt liegt bei 94 kW, also 127,84 PS. Wir nennen den Datenblattwert. Daneben gibt es seit Februar 2026 eine 990 RC R Track mit 135 PS, 170 kg trocken und 17.600 Euro – ohne Straßenzulassung, ohne ABS, ohne Licht, für Rennstrecke und Cup.
Zur RC 390: Sie ist in Europa eingestellt. KTM bestätigte das im Dezember 2025 gegenüber Motorcycle News – die Umrüstung auf Euro 5+ hätte sich bei der Nachfrage nicht gerechnet. Das letzte Modelljahr war 2024, Händlerbestände laufen aus. Wer die RC 390 als lebende Einstiegsstufe einer Sportfamilie liest, liegt also falsch – und genau diese Lücke unterhalb der 990 RC R macht einen neuen Mittelklasse-Sportler überhaupt erst plausibel.
Was bekommst du heute im Segment?
Das ist der eigentlich nützliche Teil: Wer einen Mittelklasse-Sportler sucht, muss auf nichts warten. Alle Gewichte sind fahrfertig, weil keiner dieser Hersteller Trockengewichte angibt.
| Modell | Leistung | Drehmoment | Gewicht | Sitzhöhe | Preis |
|---|---|---|---|---|---|
| Aprilia RS 660 | 105 PS (77,2 kW) bei 10.400/min | 70 Nm | 183 kg | 820 mm | 11.900 € inkl. NK |
| Honda CBR650R | 95,2 PS (70,0 kW) bei 12.000/min | 63 Nm | 209 kg | 810 mm | 10.710 € ab Werk |
| Triumph Daytona 660 | 95 PS (70 kW) bei 11.250/min | 69 Nm | 201 kg | 810 mm | ab 9.995 € zzgl. NK |
| Suzuki GSX-8R | 83 PS (61 kW) bei 8.500/min | 78 Nm | 205 kg | 810 mm | 9.999 € ab Werk |
| Yamaha R7 | 73,4 PS (54 kW) bei 8.750/min | 68 Nm | 189 kg | 830 mm | ab 10.999 € inkl. NK |
| Kawasaki Ninja 650 | 68 PS (50,2 kW) bei 8.000/min | 64 Nm | 193 kg | 790 mm | 8.195 € ab Werk |
Achte beim Vergleichen auf die Preisbasis. „Ab Werk" heißt ohne Überführung und Nebenkosten, die je nach Händler mehrere hundert Euro ausmachen. Die Aprilia wirkt in dieser Tabelle teuer, weil ihr Preis die Nebenkosten bereits enthält – die Kawasaki umgekehrt günstiger, als sie beim Händler am Ende ist.
Wo die 790 RC landen würde: Mit dem LC8c-Twin läge sie leistungsseitig oben, in Konkurrenz zur Aprilia RS 660 – und beim Gewicht vermutlich vorn, weil die 790 Duke deutlich leichter ist als CBR650R, GSX-8R und Daytona.
Die A2-Frage – und ein verbreiteter Irrtum
Für viele Käufer im Segment ist das die entscheidende Frage. Es gelten drei Bedingungen gleichzeitig: höchstens 35 kW, höchstens 0,2 kW pro Kilogramm – und das Motorrad darf nicht von einer Version mit mehr als 70 kW abgeleitet sein.
Der dritte Punkt wird regelmäßig übersehen und erklärt zwei Dinge auf einen Schlag:
- Warum KTM in Deutschland 95 PS angibt: 95 PS sind exakt 70 kW – punktgenau die Obergrenze. Mit den internationalen 105 PS (77 kW) wäre eine A2-Ableitung rechtlich unmöglich.
- Warum „die RS 660 lässt sich auf A2 drosseln" falsch ist: Die Vollversion leistet 77,2 kW und darf deshalb gerade nicht gedrosselt werden. Aprilia löst das über eine eigenständig homologierte A2-Version mit 35 kW – zum gleichen Preis, aber dafür nicht später entdrosselbar. Wer erst A2 fährt und später aufsteigen will, kauft hier faktisch eine Sackgasse.
| Modell | Ausgangsleistung | A2 |
|---|---|---|
| KTM 790 Duke (DE) | 70 kW | drosselbar, exakt an der Grenze |
| Aprilia RS 660 | 77,2 kW | nur als eigene Werks-A2-Version, nicht entdrosselbar |
| Honda CBR650R | 70,0 kW | drosselbar per Honda-Kit |
| Triumph Daytona 660 | 70 kW | drosselbar per Kit |
| Yamaha R7 | 54 kW | A2-Version im Programm |
| Suzuki GSX-8R | 61 kW | 35-kW-Version bestellbar |
| Kawasaki Ninja 650 | 50,2 kW | A2-Kit gegen Aufpreis |
| KTM RC 390 | 32 kW | direkt A2, ohne Drosselung |
| KTM 990 RC R | 94 kW | ausgeschlossen |
Für die 790 RC heißt das: Behält KTM den 95-PS-Trimm bei, wäre sie drosselbar. Das ist eine plausible Ableitung, keine Zusage. Wie die Führerscheinklassen im Detail funktionieren, steht in unserem Ratgeber zu den besten A2-Motorrädern.
Warum das Projekt trotzdem plausibel ist
Auch ohne Bestätigung passt der Prototyp in ein erkennbares Bild:
- Die RC 390 ist in Europa ausgelaufen – unterhalb der 15.985 Euro teuren 990 RC R klafft eine Lücke.
- Die 790 Duke ist gerade neu aufgelegt worden. Motor, Rahmen und Fahrwerk sind bezahlt, ein Sportler darauf ist vergleichsweise günstig zu entwickeln.
- KTM ist wirtschaftlich wieder handlungsfähig. Bajaj hält seit November 2025 die Mehrheit, die frühere Pierer Mobility AG firmiert seit Januar 2026 als Bajaj Mobility AG. Im ersten Halbjahr 2026 wurden über 40.000 Motorräder abgesetzt, ein Plus von 125 Prozent. Was das für Käufer bedeutet, steht in unserem Ratgeber KTM nach der Bajaj-Übernahme.
- In China ist im April 2026 eine RC 450 debütiert – ein eigenes Modell, kein RC-390-Nachfolger, aber ein Signal, dass KTM den Sportbereich nicht aufgibt.
Was daraus nicht folgt: dass die 790 RC finanziert, eingeplant oder beschlossen wäre. Dazu gibt es keine öffentliche Aussage.
Eine Verwechslungsfalle für Recherchierende: Zu „KTM RC Erlkönig" finden sich Artikel über RC 990, RC 125 und eine RC 490 – die stammen aber aus dem Januar 2023 und betreffen die spätere 990 RC R. Mit einem 790er-Sportler haben sie nichts zu tun. Der Begriff „790 RC" taucht im Netz erstmals am 29. Juli 2026 auf.
Fazit
Ein getarnter Prototyp ist ein starkes Indiz, aber keine Ankündigung. Belegt ist, dass KTM einen Mittelklasse-Sportler auf Basis der neuen 790 Duke testet. Nicht belegt sind Name, Leistung, Ausstattung, Preis und Termin – und KTM schweigt.
Für dich als Käufer heißt das: nicht warten. Das Segment ist heute so gut besetzt wie selten, von der 8.195 Euro teuren Kawasaki Ninja 650 bis zur 105 PS starken Aprilia RS 660. Wer unbedingt KTM fahren will und auf die Verkleidung verzichten kann, bekommt mit der 790 Duke für 8.699 Euro exakt die Technik, auf der dieser Prototyp aufbaut.
Wir behalten das Thema im Auge und aktualisieren diesen Beitrag, sobald KTM sich äußert.
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Häufige Fragen
Gibt es die KTM 790 RC wirklich? Es gibt Erlkönig-Fotos eines seriennahen Prototyps, mehr nicht. KTM hat sich nicht geäußert – weder bestätigend noch dementierend. Auch der Name „790 RC" stammt nicht von KTM, sondern ist eine Ableitung der Redaktion, die die Fotos veröffentlicht hat. Belegt ist damit nur: Ein Sportmotorrad auf Basis der neuen 790 Duke wird getestet. Alles Weitere – Leistung, Ausstattung, Name, Termin – ist Interpretation.
Wann kommt die KTM 790 RC auf den Markt? Ein Termin existiert nicht. Die Quelle schreibt, aus diesem Entwicklungsstadium könne es bis zu zwei Jahre bis zur Serie dauern, möglicherweise weniger, weil viele Teile von der 790 Duke stammen. Das ist ein Erfahrungswert, kein Fahrplan. Wer 2026 oder 2027 einen Mittelklasse-Sportler fahren will, sollte nicht darauf warten.
Warum trägt der Prototyp die Verkleidung der 990 RC R? Zur Tarnung. Die Quelle schreibt ausdrücklich, die Verkleidung sei nur für die Testfahrten montiert. Deshalb sieht der Prototyp auf den ersten Blick aus wie eine 990 RC R. Verräterisch sind die Teile darunter: die Schwinge, der hochgelegte Auspuff und die WP-Bremsanlage stammen erkennbar von der 790 Duke. Wie das fertige Motorrad aussieht, lässt sich aus diesen Fotos also gerade nicht ablesen.
Wie viel Leistung wird die 790 RC haben? Unbekannt. Die Ausgangsbasis ist der LC8c-Parallel-Twin der 790 Duke, den KTM in Deutschland mit 95 PS (70 kW) und international mit 105 PS angibt. Die Fachpresse geht davon aus, dass die Leistung allenfalls leicht steigt, damit der Abstand zur stärkeren 990 RC R gewahrt bleibt. Eine Herstellerangabe gibt es nicht.
Wäre die KTM 790 RC A2-tauglich? Möglich, aber nicht zugesagt. Entscheidend ist eine Regel, die viele übersehen: Auf A2 drosseln darf man nur ein Motorrad mit höchstens 70 kW Ausgangsleistung. Genau deshalb liefert KTM die 790 Duke in Deutschland mit 95 PS (70 kW) statt mit den internationalen 105 PS – punktgenau auf der Grenze. Behält KTM diesen Trimm für einen Sportler bei, wäre auch eine 790 RC drosselbar. Das ist eine plausible Ableitung, keine Zusage.
Soll ich jetzt kaufen oder auf die 790 RC warten? Kaufen. Zwischen einem Erlkönig ohne Herstellerbestätigung und einem Motorrad beim Händler liegen realistisch mindestens ein bis zwei Saisons – und die Sache kann auch ganz einsteigen, ohne dass es jemals eine Meldung darüber gibt. Das Segment ist heute gut besetzt: Aprilia RS 660, Honda CBR650R, Triumph Daytona 660, Suzuki GSX-8R, Yamaha R7 und Kawasaki Ninja 650 decken alles von 68 bis 105 PS ab.
Was ist mit der KTM RC 390? Die ist in Europa Geschichte. KTM bestätigte im Dezember 2025 gegenüber Motorcycle News, dass die RC 390 hier ausläuft – Grund waren die Kosten der Euro-5+-Umrüstung bei zu geringer Nachfrage. Händlerbestände laufen aus, das letzte Modelljahr war 2024. Wer eine sucht, findet sie derzeit noch im Abverkauf deutlich unter der früheren UVP von 6.899 Euro.
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