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Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Marcus ist Mitgründer von MotoBuy und leidenschaftlicher Motorrad-Enthusiast. Er schreibt über Markttrends, Kaufentscheidungen und die Zukunft des deutschen Motorradmarkts.

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Bremsen-Rückruf bei Husqvarna FE und GasGas: Was Gebrauchtkäufer jetzt wissen müssen

Der hintere Bremssattel kann brechen – ohne Vorwarnung. Der einzige bekannte Unfall ereignete sich in Deutschland. Warum es hier trotzdem keinen Rückruf gibt und wie du dein Motorrad zuverlässig prüfst.

20. Juli 202610 Min. Lesezeit
Marcus Hofer

Marcus Hofer

Gründer & Motorrad-Experte

Husqvarna & GasGas: Bremsen-Rückruf – was Käufer prüfen müssen

Der Hersteller KTM North America hat am 8. Juli 2026 bei der US-Verkehrsbehörde NHTSA einen Rückruf für 6.257 Enduros der Marken Husqvarna und GasGas eingereicht. Der Grund: Das Gussteil am hinteren Bremssattel kann brechen, der Bremssattel danach komplett versagen – laut Herstellerangabe ohne jede Vorwarnung. Der Rückruf trägt die Warnstufen „Do Not Drive" und „Park Outside". Der brisanteste Punkt für deutsche Fahrer steht im Behördenbericht selbst: Der einzige bislang gemeldete Unfall ereignete sich in Deutschland. Für Deutschland gibt es diesen Rückruf trotzdem nicht. Was das bedeutet, welche Modelle betroffen sind und wie du zuverlässig prüfst, ob dein Motorrad ein Problem hat. (Stand: Juli 2026)

Worum geht es genau?

Der Defekt sitzt am hinteren Bremssattel des spanischen Zulieferers J.Juan, der unter der Marke Braktec firmiert. Laut Behördenbericht kann das Gussteil im Bereich des Primärbolzens reißen oder brechen – ausgelöst dadurch, dass das Motorrad rückwärts rollt. Bricht anschließend der Sattelhalter, kann der Bremssattel auch in Vorwärtsfahrt versagen.

Zwei Details machen die Sache ernst:

  • Es gibt keine Vorwarnung. Im Formularfeld für Warnzeichen, die dem Ausfall vorausgehen, trägt der Hersteller ausdrücklich „None" ein. Kein Schleifen, kein Quietschen, kein weicher Druckpunkt.
  • Der Rückruf trägt die höchste Warnstufe. „Do Not Drive" und „Park Outside" bedeuten: nicht mehr fahren und nicht in geschlossenen Räumen abstellen.

Welche Modelle sind betroffen?

Modell (US-Bezeichnung)ModelljahreBauzeitraumStück
Husqvarna FE 501S2022–202413.01.2022 – 11.10.20233.685
Husqvarna FE 350S2022–202413.01.2022 – 11.10.20231.710
GasGas ES 500202427.06.2023 – 23.10.2023516
GasGas ES 350202427.06.2023 – 23.10.2023346

Gesamt: 6.257 Fahrzeuge. Der Hersteller schätzt, dass rund 1 Prozent davon den Defekt tatsächlich aufweist.

Achtung bei den Modellnamen – hier gehen die meisten in die Irre: Das „S" bei FE 350S und FE 501S sowie die Bezeichnung „ES" sind US-Namen für die dortigen Dual-Sport-Versionen mit Katalysator, Blinkern und entschärftem Mapping. Eine „Husqvarna FE 350 S" wirst du in einem deutschen Inserat praktisch nie sehen. Die hiesigen Schwestermodelle heißen FE 350 und FE 501, bei GasGas EC 350F und EC 500F.

Ob diese europäischen Modelle exakt dieselben betroffenen Bauteile tragen, ist nicht belegt. Ein europäischer Teilehändler führt zwar einen Braktec-Hinterradbremssattel für ein breites Spektrum an Husqvarna- und GasGas-Modellen – die Teilenummer weicht aber von den drei im Rückruf genannten ab. Das ist ein Indiz, kein Beweis.

KTM-Modelle sind im US-Rückruf nicht aufgeführt, obwohl viele EXC-F technisch eng verwandt sind. Eine Randnotiz: Im Abschnitt zur Kostenerstattung nennt der Bericht „KTM and Husqvarna owners", ohne dass ein KTM-Fahrzeug gelistet wäre. Vermutlich ein Textbaustein – erklärt wird es nicht.

Der Punkt, der Deutschland betrifft

Im Chronologie-Abschnitt des Behördenberichts steht der Satz, dass ein Unfall in Deutschland gemeldet wurde. Das ist keine Pressemeldung, sondern die Angabe des Herstellers gegenüber einer Behörde.

Genauso wichtig ist, was dort nicht steht: kein Ort, kein Datum, kein Modell, keine Angaben zu Verletzten. Es ist nach Aktenlage genau ein Unfall, Stand 8. Juli 2026. Mehr lässt sich seriös nicht sagen.

Bemerkenswert ist auch die Zeitschiene, die der Bericht offenlegt:

  • März 2024: Der erste Bruchfall geht beim Kundendienst in Österreich ein.
  • November 2024: Die Ursache ist bestätigt.
  • Ab Modelljahr 2025: Ein verbessertes Bauteil läuft serienmäßig.
  • 16. April 2026: Die kanadische Behörde Transport Canada tritt an den Hersteller heran.
  • 8. Juli 2026: Einreichung des Rückrufs bei der NHTSA.

Zwischen dem ersten bekannten Schadensfall und dem Rückruf liegen damit rund zwei Jahre und vier Monate – und angestoßen wurde er von einer Behörde, nicht vom Hersteller.

Warum gibt es in Deutschland keinen Rückruf?

Das ist die Frage, auf die es keine befriedigende Antwort gibt. Recherchierbar ist nur der Befund: Stand 20. Juli 2026 ist für den hinteren Bremssattel keine deutsche oder EU-weite Rückrufaktion auffindbar – nicht im EU Safety Gate, nicht auf den Sicherheitsseiten von Husqvarna und GasGas, nicht in der deutschen Fachpresse.

Dass der Konzern EU-weit zurückrufen kann, hat er beim vorderen Bremssattel bewiesen. Dort gab es 2025 gleich zwei Safety-Gate-Meldungen für Husqvarna- und GasGas-Modelle wegen Unregelmäßigkeiten in der Gussstruktur, begleitet von einer weltweiten Aktion.

Diese beiden Fälle sollte man sauber auseinanderhalten:

Vorderer Bremssattel (2025)Hinterer Bremssattel (2026)
US-Rückruf25V-074, Februar 2025, 5.116 Fahrzeuge26V443, Juli 2026, 6.257 Fahrzeuge
EU-Aktionja, Safety-Gate-Meldungenkeine auffindbar
Bekannte Unfällekeine Verletzten oder Toten vermerktein Unfall in Deutschland

Die ehrliche Einordnung: Dass bislang kein EU-Rückruf erfolgt ist, heißt nicht, dass europäische Maschinen sicher nichts haben. Angesichts des Deutschland-Unfalls und der Verbreitung des Bauteils wäre eine Nachziehung plausibel. Das ist aber eine Einschätzung, kein Fakt – und der Stand kann sich jederzeit ändern.

Wie prüfe ich mein Motorrad – oder eines, das ich kaufen will?

Hier lohnt es sich, genau zu sein, weil viele Ratgeber an diesem Punkt Unsinn verbreiten.

1. Der Vertragshändler ist der einzige belastbare Weg. Nur er sieht anhand der Fahrgestellnummer im Herstellersystem, ob für genau dieses Fahrzeug ein Rückruf offen oder erledigt ist. Die Nummer sitzt beim Motorrad am Steuerkopf. Auch der ADAC empfiehlt Gebrauchtkäufern genau diesen Weg.

2. Die KBA-Rückrufdatenbank hilft nur begrenzt. Sie ist öffentlich zugänglich, hat aber eine entscheidende Einschränkung, die kaum jemand erwähnt: Es gibt dort keine Suche nach Fahrgestellnummer. Gesucht wird nach Hersteller, Modell und Jahr. Die Datenbank sagt dir also „dieser Typ ist betroffen" – nie „dein Motorrad ist betroffen" und schon gar nicht, ob die Sache erledigt ist. Das KBA weist selbst darauf hin, dass ein Fahrzeug trotz passendem Bauzeitraum nicht zwingend betroffen sein muss, und dass die Datenbank nicht vollständig ist.

3. Die Hersteller-Portale sind ein Zusatzcheck, kein Hauptweg. KTM, Husqvarna und GasGas betreiben eine VIN-Abfrage – die liegt allerdings auf den US-Seiten. Ob sie europäische Fahrgestellnummern korrekt auswertet, ließ sich nicht klären.

4. Die Hauptuntersuchung fängt das nicht auf. Ein offener Rückruf ist kein HU-Prüfpunkt. Es gibt auf EU-Ebene ein Vorhaben, das zu ändern – der EU-Verkehrsausschuss hat sich im Mai 2026 dafür positioniert. Das steckt aber noch im Gesetzgebungsverfahren und ist kein geltendes Recht. Kursierende Artikel über „neue TÜV-Regeln" greifen dem vor.

Was passiert bei der Reparatur?

Der hintere Bremssattel wird komplett und kostenlos ausgetauscht. Die Auflagefläche des Bolzens wächst dabei von 6,5 auf 10,5 Millimeter. Das gilt unabhängig davon, ob du das Motorrad neu oder gebraucht gekauft hast – Rückrufe hängen am Fahrzeug, nicht am Halter.

Für den US-Markt gilt: Halteranschreiben laufen gestaffelt ab dem 2. September 2026, Händler können seit dem 15. Juli 2026 per Fahrgestellnummer prüfen. Wer die Reparatur zuvor selbst bezahlt hat, bekommt sie gegen Nachweis erstattet. Betroffene Fahrzeuge sind im Herstellersystem gesperrt und dürfen erst nach erledigtem Rückruf ausgeliefert werden.

Was, wenn mir ein offener Rückruf verschwiegen wurde?

Vorab: Das Folgende ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung – und eine höchstrichterliche Entscheidung speziell zum offenen Rückruf beim Motorrad-Gebrauchtkauf gibt es nicht.

  • Beim Händlerkauf gilt die gesetzliche Gewährleistung. Die Beweislastumkehr beträgt seit der Reform zum 1. Januar 2022 zwölf Monate – nicht sechs, wie vielfach noch zu lesen ist. Eine Verkürzung der Verjährung auf ein Jahr ist bei Gebrauchtware möglich, aber formstreng: gesonderter Hinweis vor Vertragsschluss und ausdrückliche Vereinbarung im Vertrag; eine AGB-Klausel reicht nicht.
  • Beim Privatkauf ist ein Gewährleistungsausschluss zulässig. Er greift jedoch nicht, wenn der Verkäufer einen ihm bekannten Mangel arglistig verschwiegen hat.
  • Warum das relevant ist: Ein Fahrzeug kann als mangelhaft gelten, wenn die Gefahr einer Betriebsuntersagung besteht. Und die ist nicht theoretisch: Nach § 5 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung kann die Zulassungsbehörde den Betrieb eines nicht vorschriftsmäßigen Fahrzeugs untersagen. Der KBA-Kodex sieht vor, dass bei hartnäckig unerledigten Rückrufen die Zulassungsbehörde informiert wird.

Der wirksamste Schutz ist banal: Nimm die Frage „Sind für dieses Fahrzeug Rückrufe offen?" schriftlich in den Kaufvertrag auf. Damit wird aus einer schwer greifbaren Aufklärungspflicht eine konkrete Falschangabe – und deine Position deutlich besser. Was sonst in einen sauberen Gebrauchtkauf gehört, steht in unserer Checkliste für den Gebrauchtkauf und im Ratgeber Gebrauchtes Motorrad kaufen ohne Fehler.

Was ein offener Rückruf für den Wert bedeutet

Hier ist der ehrlichste Abschnitt dieses Artikels der kürzeste: Es gibt keine belastbaren Zahlen. Weder DAT noch Schwacke, ADAC oder Händlerverbände veröffentlichen quantifizierte Aussagen dazu, wie stark ein offener Rückruf den Wert drückt. Jede Prozentzahl, die dir dazu im Netz begegnet, ist geschätzt.

Seriös sagen lässt sich nur dies:

  • Die Behebung ist kostenlos – ein Wertverlust entsteht also nicht durch Reparaturkosten.
  • Der reale Hebel ist das Stilllegungsrisiko und die Verhandlungsposition beim Verkauf.
  • Weil die Sache in einem Werkstatttermin erledigt ist, ist ein dauerhafter Wertschaden unplausibel. Wer verkauft, sollte den Rückruf schlicht vorher erledigen lassen und das dokumentieren.

Wie sich Schäden und Vorgeschichte sonst auf den Preis auswirken, zeigt unser Ratgeber zu den Preisfaktoren beim Motorrad.

Fazit

Für Besitzer einer Husqvarna FE oder GasGas EC aus den Baujahren 2022 bis 2024 ist die Lage unbefriedigend: Der Defekt ist ernst, tritt ohne Vorwarnung auf, und der einzige bekannte Unfall passierte in Deutschland – einen deutschen Rückruf gibt es trotzdem nicht.

Der praktische Rat ist deshalb einfach: Geh mit deiner Fahrgestellnummer zum Vertragshändler und lass den Rückrufstatus prüfen. Das kostet nichts, dauert Minuten und ist der einzige Weg, der eine verlässliche Antwort liefert. Beim Gebrauchtkauf einer Enduro dieser Baujahre gehört diese Prüfung vor die Unterschrift, nicht danach – und die Frage nach offenen Rückrufen in den Kaufvertrag.

Aktuelle Enduros findest du im Motorrad-Marktplatz. Wie es um den Konzern hinter Husqvarna und GasGas steht, ordnet unser Beitrag KTM nach der Bajaj-Übernahme ein.

Häufige Fragen

Welche Husqvarna- und GasGas-Modelle sind vom Bremsen-Rückruf betroffen? Im US-Rückruf gelistet sind Husqvarna FE 501S und FE 350S der Modelljahre 2022 bis 2024 (gebaut vom 13.01.2022 bis 11.10.2023) sowie GasGas ES 500 und ES 350 des Modelljahres 2024 (gebaut vom 27.06.2023 bis 23.10.2023). Zusammen 6.257 Fahrzeuge. Wichtig für deutsche Käufer: Das S bei FE 350S und die Bezeichnung ES sind US-Namen für die dortigen Dual-Sport-Versionen. In Deutschland heißen die Schwestermodelle FE 350 und FE 501 beziehungsweise bei GasGas EC 350F und EC 500F.

Gibt es einen Rückruf für Deutschland? Stand 20. Juli 2026 ist für den hinteren Bremssattel keine deutsche oder EU-weite Rückrufaktion auffindbar – weder im EU Safety Gate noch auf den Herstellerseiten. Das heißt nicht, dass deutsche Fahrzeuge sicher nicht betroffen sind: Beim baugleichen Problem am vorderen Bremssattel gab es 2025 sehr wohl EU-Aktionen. Und der einzige bislang gemeldete Unfall ereignete sich ausgerechnet in Deutschland. Eine Nachziehung ist also plausibel, aber bislang nicht erfolgt.

Was genau ist der Defekt? Das Gussteil im Bereich des Primärbolzens am hinteren Bremssattel des Zulieferers J.Juan beziehungsweise Braktec kann reißen oder brechen – ausgelöst durch Rückwärtsrollen des Motorrads. In der Folge kann der Sattelhalter brechen, und der Bremssattel kann dann auch in Vorwärtsfahrt versagen. Besonders heikel: Der Hersteller gibt im Behördenformular ausdrücklich an, dass es keinerlei Vorwarnung gibt.

Ist bei dem Defekt schon etwas passiert? Ja. Im Behördenbericht an die US-Verkehrsbehörde NHTSA vom 8. Juli 2026 vermerkt der Hersteller einen gemeldeten Unfall in Deutschland. Mehr Angaben enthält der Bericht nicht – kein Ort, kein Datum, kein Modell und keine Angaben zu Verletzten. Es ist nach Aktenlage der einzige bekannte Unfall.

Wie prüfe ich, ob ein gebrauchtes Motorrad von einem Rückruf betroffen ist? Der einzige wirklich belastbare Weg führt über den Vertragshändler: Nur er kann anhand der Fahrgestellnummer im Herstellersystem sehen, ob für genau dieses Fahrzeug ein Rückruf offen oder bereits erledigt ist. Die Fahrgestellnummer steht beim Motorrad am Steuerkopf. Die KBA-Rückrufdatenbank hilft nur begrenzt – sie kennt keine Suche nach Fahrgestellnummer, sondern nur nach Hersteller, Modell und Jahr, und sagt damit nie, ob dein konkretes Fahrzeug betroffen oder die Sache erledigt ist.

Was kostet die Reparatur? Nichts. Der hintere Bremssattel wird komplett und kostenlos getauscht, die Auflagefläche des Bolzens wächst dabei von 6,5 auf 10,5 Millimeter. Das gilt unabhängig davon, ob du das Motorrad neu oder gebraucht gekauft hast – Rückrufe hängen am Fahrzeug, nicht am Halter. Wer die Reparatur vorher selbst bezahlt hat, kann gegen Nachweis eine Erstattung beantragen.

Welche Rechte habe ich, wenn mir ein offener Rückruf beim Kauf verschwiegen wurde? Das hängt stark vom Einzelfall ab. Beim Händlerkauf gilt die gesetzliche Gewährleistung mit einer Beweislastumkehr von zwölf Monaten. Beim Privatkauf ist ein Gewährleistungsausschluss zulässig – er greift aber nicht, wenn der Verkäufer einen bekannten Mangel arglistig verschwiegen hat. Der praktische Tipp: Nimm die Frage nach offenen Rückrufen ausdrücklich in den Kaufvertrag auf. Dann wird aus einer schwer greifbaren Aufklärungspflicht eine konkrete Falschangabe. Eine höchstrichterliche Entscheidung speziell zu offenen Rückrufen beim Motorrad-Gebrauchtkauf gibt es nicht – das ersetzt keine Rechtsberatung.


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